Man könnte, müsste, sollte… Oder man macht einfach und schaut was passiert! So überkommt Paul auf dem Weg zur Arbeit der Impuls, sein altes Leben radikal hinter sich zu lassen und sich aus dem Softshell-Multifunktionsjacken-Korsett der Gesellschaft zu befreien. Von gleich auf jetzt wird sein durchgetaktetes Spießerleben zu einem unvorhersehbaren Roadtrip. Paul muss von nun an nichts mehr sein, er ist. Auf seinem ziellosen Streifzug durchs Land begegnet dieser, von der Gesellschaft als „Penner, Obdachloser, Landstreicher, Punk“ stigmatisiert, allerlei schrulligen Eigenbrötlern und Lebensgeschichten. So wird Paul zum uneingeladenen Gast auf einer Trauerfeier, treibt eine Kleinfamilie zur Raserei, weil er sich in deren Auto wanzt, residiert in einem Krankenhaus, irrt unterkunftslos durch die Straßen Polens, wird in einen Raub verwickelt, crasht eine Party und verknallt sich in die kauzige Nele, die ihren ganz eigenen Trip fährt. Paul ein Freigeist oder „ist das psychisch“, wie es sich Pauls zurückgelassene Frau fragt? Diese setzt auf ihren verschwundenen Ehemann einen Privatdetektiv an, um den Rumtreiber ausfindig zu machen.

Julian Pörksen, seinerzeit Assistent von Christoph Schlingensief und studierter Philosoph, beschäftigt sich in seinem Langspiel-Debüt mit den Fragen des Aussteigertums und des Müßiggangs. Macht ein zielloses Leben fernab eines normierten Alltags glücklich bzw. glücklicher? Warum steigt man aus und mit welchen Konsequenzen? Wie lang kann man eine solche Lebensweise führen? Ist grenzenlose Freiheit und Ungebundenheit unser eigentliches Naturell und führen diese Bedingungen notwendigerweise zu einem gelungenen Leben?

 

 

Fragen über Fragen, die ihr gerne selbst dem Regisseur nach der Vorstellung am 26. Januar im Zebra Kino vor Ort in einem Publikumsgespräch stellen dürft. Julian Pörksen, geboren 1985, arbeitete als Assistent für Christoph Schlingensief, studierte Geschichte und Philosophie in Berlin und anschließend Dramaturgie in Leipzig. Sein Filmdebüt Sometimes we sit and think and sometimes we just sit feierte 2012 auf der Berlinale Premiere. 2013 erschien das Sachbuch Verschwende Deine Zeit im Alexander Verlag, 2016 das Stückebuch Wir wollen Plankton sein. Das gleichnamige Stück wurde 2017 am Schauspiel Köln uraufgeführt. Sein Spielfilmdebüt Whatever Happens Next feiert 2018 auf der Berlinale Premiere. Pörksen arbeitet als Autor, Regisseur, Produzent und Dramaturg, letzteres u. a. mit Helene Hegemann, Moritz Sostmann, Dries Verhoeven, Stefan Bachmann, Therese Willstedt und Frank Castorf. Er ist zudem als Essayist und Vortragener tätig.

 

Am 27. Januar ist Pörksen dann noch im kommunalen Weitwinkel-Kino in Singen zu Gast, mit dem wir diesen Jungen Deutschen Film wie immer in Kooperation zeigen.

 

 

Spielzeit: 24. – 28. Januar 2019

Film-FSK 6

FBW-Prädikat: besonders wertvoll

Deutsche Originalversion

DEU/POL 2018; 102 Min.; Regie: Julian Pörksen; Drehbuch: Julian Pörksen; Kamera: Carol Burandt von Kameke; Mit: Sebastian Rudolph, Lilith Stangenberg, Peter René Lüdicke u.a.