‘A human life isn’t some sacred thing. There’s nothing holy about a dick and a vaj getting together and spitting out a little dude.’ – Amanda

Amanda und Lily sind die beiden zentralen Figuren des Films Thouroughbreds. Amanda fühlt überhaupt nichts, weder Glück noch Trauer. Lediglich Hunger und Durst sind ihr bekannt. Lily fühlt dafür alles zutiefst. Vor Jahren waren die beiden befreundet, haben sich mittlerweile jedoch entfremdet. Nach einem etwas holprigen Start, nähern sie sich zunehmend wieder einander an. Es dauert nicht lange, bis Amanda Lilys Hass gegenüber ihrem Stiefvater erkennt und sie mit der Frage konfrontiert, ob sie sich vorstellen könne, diesen zu töten…

Cory Finley hatte diesen Stoff eigentlich als Theaterstück intendiert, konnte allerdings das Angebot, sein Skript selbst zu verfilmen und damit sein Regiedebüt zu geben, nicht ablehnen. Die Nähe zum Theater ist dem Film daher deutlich anzumerken. Meist sind es zwei Personen, die die Handlung dialogisierend vorantreiben. In den Unterhaltungen geht es vorwiegend um Moral und die Camussche Frage nach dem Wert des Lebens. In der eingangs zitierten These Amandas lässt sich der angenehm nüchterne, von gesellschaftlicher Norm gelöste Ton bereits ablesen. Finley nutzt auch kinematographische Vorzüge gekonnt: Er zeigt  – die komplette Leinwand einnehmend – Lilys janusköpfiges in Schatten gehülltes Gesicht, verdichtet die Atmosphäre durch den Sound des verhassten, im Off bleibenden Rudergeräts des Stiefvaters. Schließlich legt er Lilys gedankliche Abgründe offen, indem sie erwacht und die Kamera auf ihrem Auge ruht.

Finley verwebt Elemente der Comedy of Menace eines Harold Pinter mit der Suspense von Hitchcock und treibt die Figuren seines ambigen think-piece konsequent in ein düster noires Finale.

 

 

Spielzeit: 06.-11. September 2018

Film-FSK 16 / Trailer-FSK 12

Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln

USA 2017; 93 min; Regie: Cory Finley; Drehbuch: Cory Finley; Kamera: Lyle Vincent; Musik: Erik Friedlander; Produktion: Kevin J. Walsh, Nat Faxon, Jim Rash, Andrew Duncan, Alex Saks; Mit: Olivia Cooke, Anya Taylor-Joy, Anton Yelchin, Paul Sparks, Francie Swift