„The Magic Castle Motel“, Orlando, Florida: Auf dem Balkon im zweiten Stock veranstaltet ein Trio ungestümer Kids einen Weitspuckwettbewerb. Daraufhin legt sich der Besitzer der betroffenen Windschutzscheibe mit der 22-jährigen Mutter der Rädelsführerin an, die das allerdings nicht sonderlich zu interessieren scheint. Ein ganz normaler Tag also für die sechsjährige Moonee, die als Anführerin des Trios so manchen Schabernack im Übernachtungskomplex treibt – ob sie Geld für Eis erbetteln, in leerstehende Häuser einsteigen oder die Stromversorgung eines ganzen Wohnblockes lahmlegen. Unweit des Disneylands, wohnt Moonee in ihrer ganz eigenen quietschbunten Traumwelt. Jeder Tag ist ein Abenteuer, zumal immer wieder die 38 Dollar für das Motelzimmer aufgetrieben werden wollen und Mami doch meistens nur mit dem Rauchen von Blunts beschäftigt ist. Zum Glück ist da aber noch der Motelmanger Bobby, der der kleinen Familie gehörig unter die Arme greift und für Moonee den Ersatzvater mimt.

Nachdem Sean Baker mit seiner explosiven und ausgelassenen iPhone-Subkultur-Extravaganza Tangerine 2015 für gehöriges Aufsehen sorgte, meldet er sich nun auf 35mm zurück und nimmt sich den „Hidden Homeless“ an. Aus den Kinderaugen Moonees wirft The Florida Project einen Blick auf die Obdachlosen, die von Woche zu Woche, von Tag zu Tag in billigen Motels leben. Nach 29 Tagen ziehen sie um, nur um am 31. direkt wieder zurück in die alte Bude zu ziehen, bei 30, hätte man sonst einen festen Wohnsitz. Disneyland liegt zwar direkt die Straße runter, könnte sich aber auch genau so gut auf dem Mond befinden. Keiner der Motel-Bewohner braucht die Traumwelt, sie brauchen nur sich, ihre kleine verschrobene Gemeinschaft, das macht Bakers empathisches, warmherziges Stück Neo-Realismus ganz klar.

 

 

Spielzeit: 15.-27. März 2018

Film-FSK 12 // Trailer-FSK 0

Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln