„One of these days I will shut up and play the piano“ heißt es im Refrain des Songs, der zum Titel des Porträts des exzentrischen Musikers Chilly Gonzales wurde. Und tatsächlich erfand sich der als Elektro-Rapper bekannt gewordene Kanadier, bürgerlich Jason Beck, mit ruhigen Klängen am Klavier neu. Chilly Gonzales kombiniert bei seinen Auftritten ganz selbstverständlich scheinbar unvereinbare Musikrichtungen wie Kammermusik, Rap und elektronische Musik. Er kreiert damit einen einzigartigen Stil der ihn zum Vorbild vieler anderer Künstler macht.

Die Dokumentation „Shut Up and Play the Piano“ von Philipp Jedicke zeichnet Gonzales´ Weg aus seiner kanadischen Heimat, über den Berliner Underground der 90er Jahre, bis in die Pariser Konzerthäuser der Gegenwart nach. Dabei verbindet Jedicke in seinem Regiedebüt geschickt Archivmaterial mit neu gedrehten Spielfilmszenen. Interviews mit seinen Weggefährten runden das Ganze ab. Als roter Faden zieht sich ein langes Gespräch mit der Schriftstellerin Sybille Berg durch den Film. Zwischen den beiden geht es ans Eingemachte. In ihren Fragen und Antworten stehen sie einander in nichts nach.

Der Musiker ist so clever im Umgang mit seinem Publikum, dass ihm selbst seine Großkotzigkeit noch Sympathiepunkte einbringt. Auf die Frage, ob er eine Botschaft für seine Fans habe, antwortet Gonzales er fürchte, seine Fans würden ihn einfach nur lieben. Dabei sei es doch total wichtig ihn auch zu hassen. Hassen wird ihn niemand nach dieser Dokumentation. Stattdessen wird er unter den Zuschauern die ihn noch nicht kannten, vermutlich viele neue Fans gewonnen haben.

 

 

Spielzeit: 27. September – 2. Oktober 2018

Film-FSK 0

Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln

DEU / FRA / GBR 2018; 82 min; Regie + Drehbuch: Philipp Jedicke; Mit: Chilly Gonzales, Peaches, Leslie Feist, Sybille Berg