Mal verliert man, mal gewinnen die Anderen und mit ganz viel Glück hat man vielleicht etwas Rückenwind von vorn – tough life. Als Glas-halb-leer-Filme verstehen sich die Werke von Philipp Eichholtz jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Bei Hürde, bitte Perspektive ändern oder Bogen schlagen. Auch im letzten Teil seiner Trilogie hält Eichholtz einen liebevoll-cineastischen Toast auf das Leben. Auf der diesjährigen Berlinale eröffnet Rückenwind von vorn verdientermaßen die Programmschiene Perspektive Deutsches Kino.

Charlie arbeitet als Lehrerin, lebt in einer festen Beziehung mit Marco und kümmert sich um ihre Oma – so weit, so erwachsen. Als Krönung möchte Marco ein Kind mit Charlie, dabei liegt die eigene Kindheit für diese gefühlt gerade erst hinter ihr, die Zeit in der das Leben noch Abenteuer verhieß. Gelebt wird das Abenteuer allerdings von ihrer Freundin, die mit dem Rucksack durch Südost-Asien tingelt und ihrem Lehrerkollegen Gerry, den es im Wohnwagen ziellos durch die Lande treibt. Charlies Leben hingegen gleicht einer Pauschalreise – planbar und bequem. Sukzessive begreift sie, dass sie nur noch Touristin im eigenen Lebensentwurf ist. Immer drängender werfen sich für Charlie die Fragen auf, wann der Zug ihres Lebens falsch abgebogen ist, der sie direkt vor diese Wand gefahren hat. Wer stellte die Weichen? Charlie beginnt in sich hineinzuhören: Endstation oder nochmal Kurve kriegen?

Philipp Eichholtz´ ganz große Stärke: Sein behutsamer und fürsorglicher Blick auf seine Figuren. Oma Lisbeth pointiert diese Passion im Film. Wenn sie schwärmt, „ich mochte Loriot. Der verarscht die Leute nämlich nicht, sondern der guckt da richtig hin; auf die Nudel, wie die wandert“, dann wollen wir den Namen von Loriot durch den von Philipp Eichholtz ersetzt sehen.

 

 

Wir zeigen den jungen Deutschen Film Rückenwind von vorn bereits zwei Wochen vor Bundesstart als Special Preview und freuen uns zudem in Kooperation mit dem Weitwinkel – Kommunales Kino Singen e.V. Philipp Eichholtz am 05.03. zum Publikumsgespräch im Zebra Kino begrüßen zu dürfen.

 

1982 geboren, Papa 1984 gestorben, aufgewachsen in kleinem Dorf bei Osnabrück, Omakind. 1985 erster Kinobesuch: DAS DSCHUNGELBUCH, 1995 auf Gymnasium gekommen, 1996 vom Gymnasium geflogen. 1997 erste Texte geschrieben. 1998 sitzengeblieben und Oliver Jerke, den späteren Produzenten seiner Filme, kennengelernt. 1999 erster Kurzfilm, 2006 von der dffb abgelehnt, nach eigener Aussage wahrscheinlich zu Recht. 2008 bis 2012 mit Jerry Schatzberg in New York abgehangen, 2013 eigene Stimme als Geschichtenerzähler gefunden. 2016 Verkauf seiner beiden ersten Filme Liebe mich! und Luca tanzt leise an Netflix. 2017 gelernt, dass deutsche Nachwuchsförderungen einen bestrafen, wenn man kleine Filme ohne Geld dreht. 2018 Berlinale.

Spielzeit: 01.-05. März 2018

noch nicht FSK-geprüft

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