Jim ist ein 18-jähriger Junge aus der kleinen Provinzstadt Essex, nordöstlich von London. Er sehnt sich nach einem aufregenderen Leben außerhalb der buchstäblichen „vier Wände“ und beschließt über die Köpfe seiner Eltern hinweg, nach London ins angesagte Szeneviertel Soho zu ziehen. Nachdem es das Glück zunächst nicht gut mit ihm meint, findet Jim nach einer Nacht auf der Straße Zuflucht in einem Nachtclub bei der Gruppe The Raconteurs. Die neuen Bekanntschaften sind vier Escourt-Jungs, die sich durch geistreiche Gespräche und umfassendes Wissen über kulturelle und politische Belange profilieren. Damit machen sie sich besonders bei Freiern aus gehobeneren Kreisen einen Namen. Jim scheint mit seiner betörenden Schönheit und seinem Gespür für Kunst perfekt in diese Gruppe zu passen. Bald schließt er sich ihnen an, wird zum Objekt der Begierde für jeden potentiellen Freier und von einem Künstler sogar zur persönlichen Muse auserkoren.

Auf komisch-absurde Weise schafft Regisseur Steve McLean eine schillernd-bunte und selbstreferentielle Welt in erotisch-melancholischer Atmosphäre. Ein Film voller Querverweise und Namedropping, Kunst- und Kulturanekdoten auf Caravaggio oder Derek Jarman, verpackt in queerer Kulturhistorie.

Nach seinem Filmdebüt Postcards from America von 1994 meldet sich McLean fast 25 Jahre später zurück mit einer weiteren Coming-of-Age Geschichte. Er zeichnet dabei zwar die Parallele einer weiteren, starken und alles andere als einfachen Selbstfindungsgeschichte, jedoch hier auf unfassbar experimentelle und meta-humoristische Weise in einer energischen und doch selbstironischen Gestaltungswelt. Postcards from London ist ein Film für alle mit einem Faible für Kunst und Queer-Kultur.

 

 

Unsere beiden queeren Monatsfilme könnt ihr euch am 13. Januar entweder einzeln oder als Double Feature zusammen mit I, Olga (20:30 Uhr) an der Abendkasse zum vergünstigten Preis anschauen.

Spielzeit: 13. Januar 2019

Film-FSK 12

Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln

GBR 2018; 90 Min.; Regie: Steve McLean; Drehbuch: Steve McLean; Musik: Julian Bayliss; Kamera: Annika Summerson; Produktion: Soledad Gatti-Pascual, Patrick Fischer, Lizzie Francke, David Gilbery; Mit: Harris Dickinson, Jonah Hauer-King, Alessandro Cimadamore u.a.