Die aus Köln stammende Christa Päffgen, Künstlername Nico, begann ihre Karriere 1956 als internationales Supermodel, u.a. für Dior in Paris. 1963 beeindruckte sie die Szene um Andy Warhol in New York und erlangte Weltruhm als Sängerin bei Velvet Underground. 1968 schließlich emanzipierte sie sich von dieser Welt des Glamours und konzentrierte sich auf ihren eigenen Musikstil: eine düstere Mischung aus Psychedelic, Punk und New Wave. 1988, mit nur 49 Jahren, starb sie bei einem Fahrradunfall auf Ibiza.

Wie der Titel verrät, betrachtet Nico, 1988 die letzten zwei Lebensjahre der Musikerin. Nico ist dauergenervt von den immer gleichen Fragen der Reporter: „Erzählen Sie uns bitte etwas aus Ihrer Zeit mit Andy Warhol?“ Nicos schlichte Antwort: „Nein.“ Ihre aktuelle Musik dagegen findet zu wenig Beachtung. Sie tourt mit ihrer dilettantischen Begleitband durch suspekte Clubs in Osteuropa. So gesehen wäre der Film ein Road Movie. Man ist unterwegs ohne anzukommen. Nicos kratzbürstiger Charakter als heroinsüchtige Menschenfeindin wird von der Regie ohne Schonung, aber nie voyeuristisch gezeigt. Wirklich groß wird diese dunkle Hommage jedoch wegen der Musik. Die fantastische Trine Dyrholm spielt nicht nur Nico mit beklemmender Intensität, sie singt auch Nicos Songs selbst – so beeindruckend wie man es selten erlebt. Fazit: ein ebenso düsteres wie faszinierendes Psychogramm, nach dem man unbedingt mehr über die Protagonistin erfahren will.

 

 

Zu Nico, 1988 wird Prof. Dr. Bernd Stiegler, Professor für Neuere Deutsche Literatur im medialen Kontext von der Universität Konstanz eine kurze Einführung geben.

 

 

 

Nico, 1988 ist unser Beitrag zu einer Kooperation mit dem Stadttheater und der Universität Konstanz über den Autor und Regisseur Werner Fritsch. Am 01.12. zeigen wir zudem seinen Experimentalfilm Faust Sonnengesang III. Am 02.12. liest Werner Fritsch im Foyer der Spiegelhalle aus seinem Monolog Nico. Sphinx aus Eis.

         

Spielzeit: 13. November 2018

Film-FSK 12

Mehrsprachige Originalversion mit deutschen Untertiteln

ITA/BEL 2017; 93 Min.; Regie: Susanna Nicchiarelli; Drehbuch: Susanna Nicchiarelli; Musik: Gatto Ciliegia contro il Grande Freddo; Mit: Trine Dyrholm, John Gordon Sinclair, Anamaria Marinca, u.a.