Als sein Vater Zar Alexander III (Sergey Garmash) bei einem Zugunglück schwer verletzt wird, übernimmt Kronprinz Nikolai (Lars Eidinger) die Regierungsgeschäfte im russischen Zarenreich. Dazu zählt auch die politisch motivierte Heirat mit Prinzessin Alix von Hessen (Luise Wolfram), der Nikolai nur widerwillig zustimmt, denn sein Herz schlägt eigentlich für die berühmte Ballerina Matilda Kshessinsksa (Michalina Olszanska), die als Schlagzeilen produzierende Prominente und nicht standesgemäße Partie für den Prinzen abgetan wird. Nikolais Ehe jedenfalls tut der Liebe der beiden keinen Abbruch…

Alexej Utschitel inszeniert die historisch verbürgte Affäre als prächtig ausgestattetes Kostümdrama vor glanzvollen Kulissen. Womit er nicht rechnete, war der Zorn einiger fundamentalistisch orthodoxer Gruppierungen. Denn Zar Nikolai und seine Familie – 1918 von den Bolschewiken ermordet – wurden von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen. Die Darstellung seiner außerehelichen Umtriebe wurde prompt als Heiligenlästerung gedeutet. Der Protest zum Kinostart in Russland im vergangenen Herbst gipfelte in Brandanschlagsdrohungen gegen Filmtheater und polizeilich geschützte Vorführungen.

Die Kontroverse um Matilda gibt Einblick in die vertrackte Lage der russischen Kulturlandschaft. Obwohl staatlich finanziert und vom russischen Kulturministerium gutgeheißen wird die öffentliche Aufführung einer Kunstproduktion von christlichen Fundamentalisten gefährdet – wie zuvor schon Opern- und Theaterinszenierungen.

 

 

Am 29.05. diskutieren wir zusammen mit der Fachgruppe Slavistik und den Osteuropahistorikern der Universität Konstanz PD Dr. Jörn Happel sowie Dr. Renata von Maydell den Skandal um Matilda und den Einfluss orthodoxer Gruppierungen auf das kulturelle Leben in Russland.

Spielzeit: 24.-29. Mai 2018

FSK (Film & Trailer) 12

Russische Originalversion mit deutschen Untertiteln