Hätte vor zwei Jahren jemand behauptet, der (immerhin) Oscar-Preisträger Nicolas Cage würde noch einmal seinen zweiten Frühling abseits von Internet-Memes erleben, die meisten hätten sich vermutlich vor Lachen auf dem Boden gerollt. Doch dann kam Mandy, drehte den ohnehin schon mehr als latent vorhandenen Wahnsinn in Cages Performancekunst auf Elf und sorgte auf Festivals von Cannes bis Neuchatel bei Publikum und Kritikern für Verzückung und ungläubiges Staunen.

Dabei passt die Story auf einen wirklich kleinen Bierdeckel: Cage spielt den Holzfäller Red Miller, der mit seiner Frau Mandy (Andrea Riseborrough) in einer Waldhütte seiner Profession nachgeht. Dann gerät Mandy in die Fänge eines verrückten Sektenführers (Linus Roache) und seiner nicht minder gestörten Sippschaft und wird von dieser bei lebendigem Leib verbrannt. Ausgerüstet mit Armbrust, Axt und Aufputschmitteln sinnt Red Miller nun auf Rache…

… und verschafft uns trotz oder gerade wegen seiner auf das absolute Minimum reduzierten Handlung einen der wahnwitzigsten Trips der jüngeren Filmgeschichte. Alles an diesem Film ist dafür geschaffen, gefühlt zu werden. Die überlebensgroßen, maximal stilisierten und oftmals an Heavy Metal-Cover im LSD-Rausch gemahnenden Bilder, die Regisseur Panos Cosmatos (Beyond the Black Rainbow) in seinem zweiten Film auf das Publikum loslässt, sind in ihrer Kompromisslosigkeit das absolute Gegenteil der Standardkost, die man nach Lektüre der Inhaltsangabe erwarten würde. Dass der leider viel zu früh verstorbene Komponist Johann Johannson seine letzte Filmmusik für diesen Streifen geschrieben hat, sorgt zwar für etwas Wehmut. Doch wer Johanssons metallisch-grollendes Inferno in Mandy dann hört, merkt: Auch für den Isländer war das hier eine Herzensangelegenheit. Genauso wie für uns und deshalb freuen wir uns umso mehr, euch diesen absolut, pardon, geilen Film dort zu präsentieren, wo ihr ihn noch richtig erleben und fühlen könnt: auf der Kinoleinwand.

 

 

Spielzeit: 18. Oktober 2018

noch nicht FSK-geprüft

Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln

USA/BEL 2018; 121 min; Regie: Panos Cosmatons; Drehbuch: Panos Cosmatos, Aaron Stewart-Ahn; Mit: Nicolas Cage, Andrea Riseborrough, Linus Roache, Ned Dennehe