„Und der Haifisch, der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht.
Und Macheath, der hat ein Messer
Doch das Messer sieht man nicht.“

Mit diesen bekannten Zeilen beginnt „Die Moritat von Mackie Messer“, welche die weltweit berühmte „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill einläutet. Das Stück gehört zu den größten Theatererfolgen der Weimarer Zeit – weswegen es nicht verwunderlich ist, dass das Kino den gefeierten Autor des Stücks für sich gewinnen will und sich bereits zwei Jahre nach der Uraufführung eine große Produktionsfirma die Filmrechte sichert. Der Schöpfer des dialektischen Theaters sollte die Grundlage für das Drehbuch liefern – doch Bertolt Brecht ist nicht bereit nach den Regeln der Filmindustrie zu spielen. Seine Vorstellung vom Dreigroschenfilm ist radikal, kompromisslos, politisch, pointiert. Er will eine völlig neue Art von Film machen und weiß, dass die Produktionsfirma sich niemals darauf einlassen wird. Schließlich geht es ihr nur um den Erfolg an der Kasse. Und so kommt es auch: der vielleicht einflussreichste deutschsprachige Autor des 20. Jahrhunderts wird vor die Tür gesetzt und sucht nun die öffentliche Auseinandersetzung um zu beweisen, dass die Geldinteressen sich gegen sein Recht als Autor durchsetzen. Somit wird aus seinem großen Traum die Dreigroschenoper auf die Leinwand zu bringen, ein großer Rechtsstreit.

Basierend auf diversen Texten von Bertolt Brecht vereint Regisseur Joachim A. Lang für Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm wie im epischen Theater mehrere Ebenen und verbindet sie zu einem außergewöhnlichen filmischen Erlebnis, das mit Regeln und Konventionen der Rezeption spielt. Lars Eidinger zum Beispiel durbricht die vierte Wand und spricht mit dem Zuschauer über seine Gedanken und Vorhaben. Dabei stellt er den Lyriker mit einer so eindrücklichen Mischung aus Süffisanz und Eloquenz dar, dass man sich der Faszination des Charakters nicht entziehen kann. Lang inszeniert mit Esprit und Lust: das Tempo ist schwindelerregend und die visuellen Effekte enorm. Die Kamera schwebt durch die Kulissen, das Licht erweckt Theatergefühle. Und durch geschickte dramaturgische Wendungen gelingt die Verbindung des literaturhistorischen Stoffes mit aktuellen gesellschaftlichen Konflikten. Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm ist mehr als eine Verfilmung der Dreigroschenoper. Er ist ein Film, der Brechts Theaterkunst huldigt, indem er sie meisterhaft auf die filmische Ebene überträgt. Eine Herausforderung an die Zuschauer. Ein wahrhaft Brecht’ scher Film!

„Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.“

 

 

Mit Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm starten wir zu Beginn der Indoorspielzeit 2018/19 einen neuen monatlichen Slot, indem der deutschsprachige Film im Mittelpunkt steht! Das ganze ergänzend zu unserer Filmreihe Junger Deutscher Film, in der wir uns auch in Zukunft wie gewohnt an ca. fünf Terminen im Jahr in Kooperation mit dem kommunalen Weitwinkel Kino Singen auf den jungen deutschen Film fokussieren und auf diesem Wege Regiedebüts, Zweit- & Drittwerke – wenn möglich in Anwesenheit des Regisseurs/der Regisseurin – auf unsere Leinwand bringen.

Spielzeit: 13. – 24. September

Film-FSK 6 // Trailer-FSK 0

Deutsche Originalversion

DEU/BEL 2018; 130 min; Regie + Drehbuch: Joachim A. Lang; Produktion: Till Derenbach, Michael Souvignier; Musik: Heinz Karl Gruber; Kamera: David Slama; Mit: Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Britta Hammelstein, Robert Stadlober, Max Raabe