Zhenya und Boris stehen kurz vor der Scheidung. Die gemeinsame Wohnung ist nur noch Zweck-WG, die Erziehung des gemeinsamen Sohnes Alyosha lästige Nebensache. Längst sind neue Partner gefunden, mit denen neuer Nachwuchs gezeugt wird. Eigentlich sollte ein klärendes Gespräch die Weichen für eine bessere Zukunft stellen. Doch der 12-jährige Alyosha belauscht heimlich seine Eltern – und läuft davon. Er ist nicht aufzufinden, die Polizei gibt auf, die Freiwilligen werden weniger und so wird die Suche nach dem Sohn zu einer letzten gemeinsamen Aufgabe für Zhenya und Boris.

Regisseur Andrey Zvyagintsev gelang mit Leviathan vor einigen Jahren eine schonungslose Darstellung der russischen Gegenwart, die international gefeiert, in der Heimat aber verunglimpft wurde. In seinem neuen Film Loveless verortet Zvyagintsev das Familiendrama zwischen bröckelnden Wohnblocks, im russischen Winter des Jahres 2012, vor dem Hintergrund manipulierter Präsidentschaftswahlen und den damit einhergehenden politischen Turbulenzen. Die titelgebende Lieblosigkeit kennzeichnet in diesem trostlosen Setting nicht nur die handelnde Kernfamilie, sondern die ganze Gesellschaft, in der sie sich bewegt.

 

 

Russland steht in diesem Jahr unter besonderer Beobachtung. Die internationalen politischen Spannungen halten an, Präsident Putin lässt sich wiederwählen und im Sommer richtet das Land die Fußballweltmeisterschaft aus. Grund genug für das Zebra Kino dem russischen Kino der Gegenwart einen Fokus zu widmen, den Loveless eröffnet. Zusammen mit der Fachgruppe Slavistik der Universität Konstanz präsentieren wir von April bis Juni aktuelle russische und internationale Produktionen und erörtern die Darstellung der russischen Geschichte und Gegenwart im Kino, genauso wie dessen gesellschaftliche und politische Rezeption.

Zum ersten Spieltermin am 26.4. freuen wir uns über eine Einführung von Dr. Maria Zhukova!

Spielzeit: 26. April – 1. Mai 2018

Film-FSK 16 // Trailer-FSK 12

Russische Originalversion mit deutschen Untertiteln