Leere Fahrzeuge, verlassene Häuser, zurückgelassene Haus- und Nutztiere. Eben hat der freiberufliche Kameramann Armin noch seine Aufnahmen im Bundestag vergeigt, den One-Night-Stand mit Rosa in den Sand gesetzt und seinen Vater, die neue Freundin und die todkranke Großmutter besucht, da wacht er auf und die gesamte Menschheit scheint wie vom Erdboden verschluckt. Also was tun? Hier wollen Kartoffeln angebaut, da Tiere gezüchtet werden. Armin beginnt für sich selbst zu sorgen und baut sich nach und nach eine eigene Existenz auf. Doch dann dringt plötzlich die Italienerin Kirsi in Armins heiles post-apokalyptisches Einsiedlerleben ein.

In My Room ist die Berliner-Schule-Antwort auf Filme wie The Last Man On Earth oder The Quiet Earth, Filme des Letzter-Mensch-auf-Erden-Genres. Das Hauptmotiv des Films mag dem Fantastischen entlehnt sein. Doch die Ursachen sind für Regisseur Ulrich Köhler nicht interessant. Es geht nicht um das große Ganze, um das Außen. Stattdessen richtet er seinen Blick nach innen. Die Post-Apokalypse nutzt der Film, um die Psyche seines Hauptcharakters zu erforschen und ein Generationenporträt zu zeichnen. Eine Generation, die sich alle Türen offenhält, die von Job zu Job, von Liebschaft zu Liebschaft hüpft, aufgewachsen ohne sozialen Druck, ohne die Notwendigkeit schnelle Lebensentscheidungen treffen zu müssen. Frei also. Oder ist sie vielleicht doch nicht so frei, wie sie zu sein glaubt? Was geschieht, wenn sie plötzlich mit Sesshaftigkeit und der Möglichkeit auf Familie konfrontiert wird?

 

 

Spielzeit: 08.-13. November 2018

Film-FSK 12

Deutsche Originalversion

DEU 2018; 120 Min.; Regie: Ulrich Köhler; Drehbuch: Ulrich Köhler; Kamera: Patrick Orth; Produktion: Christoph Friedel, Claudia Steffen u.a.; Mit: Hans Löw, Elena Radonicich, Michael Wittenborn u.a.