Sie kommen wieder. Jedes Jahr. Sie sind da, um zu gewinnen. Bären, Löwen, Goldjungen. Manche erreichen dieses Ziel, andere scheitern. Die Rede ist vom Biopic, jener sich häufig besonders seriös gebenden Kategorie Film, die viel zu oft kreuzbrav kuschelig Eckdaten pflichtschuldig aneinanderreiht und Schauspielern die Gelegenheit gibt, möglichst exakt eine andere existierende Person nachzuspielen. Das ist in vielen Fällen vor allem eines: strunzöde.

I, Tonya ist anders. Keine großen Staatenlenker werden hier porträtiert, sondern Tonya Harding (Margot Robbie). Die war tatsächlich mal für kurze Zeit eine schillernde Figur. Im Eiskunstlauf. Das sieht zwar vordergründig toll aus, hinter den Kulissen jedoch entspricht Harding nicht eben dem Ideal der Primaballerina auf dem Eis. Ihre Karriere? Angetrieben von ihrer dauerfluchenden Mutter (Allison Janney). Ihre Kontrahentin? Ein Engel auf dem Eis. Ihr Plan, um dagegen zu halten? Zertrümmere der doofen Kuh mit einem Hockeyschläger die Knie! Die Umsetzung? Zweifelhaft.

Und genau aus diesen Zweifeln zieht I, Tonya seine große Stärke. Nicht Eindeutigkeit, sondern Ambivalenz und eine narrative Unzuverlässigkeit bestimmen das Bild. Denn was sich wirklich zugetragen hat im Falle Tonya Harding, das ist bis heute nicht sicher. Der Film nutzt dies für eine wundervoll schwarzhumorige, großartig gespielte, unkonventionelle Darstellung der mutmaßlichen Ereignisse. I, Tonya geht tatsächlich für immerhin drei Oscars ins Rennen. Und irgendwie gönnt man es ihm ja doch, diesem kleinen, ungestümen Bruch mit den Konventionen des liebsten aller Academy-Genres.

 

 

Spielzeit: 22. März – 03. April 2018

Film- und Trailer-FSK 12

Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln