Tanzende Skelette und rote Teufel treffen sich, um das Leben zu feiern. Mittendrin: Alejandro Jodorowsky – Chiles selbsternannter „Psychoschamane“. Poesía sin fin ist der neueste Film und zweite von (hoffentlich) drei Teilen der poetischen Autobiografie des mittlerweile fast 90-jährigen Meister des Mitternachtsfilms. Man muss allerdings weder Teil eins, La Danza de la Realidad, gesehen haben, noch seine surrealistischen Kultklassiker der 70er Jahre wie Fando y Lis, El Topo oder The Holy Mountain gesehen haben, um die neueste Auskopplung genießen zu können. Denn Jodorowskys Lebensgeschichte dient lediglich als lose Grundierung, die er mit seiner Philosophie, einem Hauch Poesie und seinen unverwechselbaren visuellen Fetischen bepinselt.

Poesía sin fin zeigt den jungen Jodorowsky, der mit seiner Familie vom Provinznest Tocopilla in die chilenische Hauptstadt Santiago zieht. Durch einen Diebstahl entdeckt er die Poesie, vor allem die Werke Garcia Lorcas. Im Gegensatz zu den autoritären Strukturen, die ihm von seinem Vater aufgedrückt werden, findet Alejandro in ihr eine Sprache, die sich mit Offenheit und Neugier der Welt nähert. Nachdem jede Form von Zärtlichkeit immer nur mit Härte beantwortet wurde, gelingt es ihm durch die Poesie und den Kontakt zur Kunstszene Santiagos seine Angst vor Empfindsamkeit zu überwinden und endlich aufzublühen. Diese Lust am Leben und der Freiheit trägt den ganzen Film.

Jodorowsky verhandelt alte Konflikte und kommt immer wieder auf die Frage zurück, wer er eigentlich ist und wie Poesie untrennbar mit seiner Wahrnehmung der Welt verbunden ist. Und genau so funktioniert auch der Film: überzeichnet, theatral und provokativ fragt er nach Formen der Erzählung, mit denen man einem Leben begegnet und findet einen Erzählmodus, nicht realistisch aber wahrscheinlich therapeutisch.

 

 

Wir freuen uns außerdem am Freitag, den 12.10., Sandra Rudman vom Lehrstuhl Kulturtheorie und kulturwissenschaftliche Methoden der Universität Konstanz zu begrüßen, die sich in ihrer Promotion ausgiebig mit Jodorowsky beschäftigt und uns eine kurze Einführung in sein Werk geben wird.

 

 

Spielzeit: 11. – 16. Oktober 2018

noch nicht FSK-geprüft

Spanische Originalversion mit deutschen Untertiteln

CHL/FRA 2016; 128 min; Regie: Alejandro Jodorowsky; Mit: Alejandro Jodorowsky, Jeremias Herskovits, Adan Jodorowsky, Brontis Jodorowsky u.a.