Ein Paket konnte nicht zugestellt werden und soll von der Absenderin am Postamt abgeholt werden, wofür auch noch eine kleine Aufwandsgebühr anfällt. Eine minder schwere Unannehmlichkeit möchte man meinen, aber eine, die schon andeutet, mit welchen bürokratischen Schikanen die namenlose Sanfte pausenlos konfrontiert wird, als sie versucht das Rätsel zu lösen: Warum kam das Paket nicht an seinem Ziel an?  Die Sendung galt dem Ehemann der Frau, der wegen eines Mordes, den er leugnet, in einem russischen Gefängnis sitzt. Da ihr niemand Auskunft geben kann, bricht die Frau kurzerhand nach Sibirien auf, um sich seines Schicksals zu vergewissern.

Auf ihrer Reise ist sie konfrontiert mit einer Gesellschaft, die so gar nicht mit sich im Reinen scheint, mit Menschenmassen in überfüllten Bussen und Bahnen, die nicht aufhören zu maulen und zu lästern. Angekommen, sieht sie sich den erniedrigenden Prozeduren einer kafkaesken Bürokratie ausgesetzt, die nur so strotzt vor sinnlosen Formalitäten, wuchernder Korruption und böswilligen Halunken.

Sergei Loznitsas Inszenierung entfacht einen albtraumhaften Sog, der die Kritiker nach der Premiere in Cannes 2017 nicht mehr losließ.  The Playlist urteilte: „Ein teuflisch komponiertes Stück Kunst, das Kino und Politik transzendiert.“

 

 

Das Zebra Kino zeigt Die Sanfte im Rahmen des Schwerpunkts „Russland im Kino“. Am 26.06. diskutieren wir den Film und das Werk Sergei Loznitsas mit Dr. Innokentij Urupin der Fachgruppe Slavistik der Universität Konstanz.

Spielzeit: 21.-26. Juni 2018

Film-FSK 12

Russische Originalversion mit deutschen Untertiteln