„Als unseres Lebens Mitte ich erklommen, befand ich mich in einem dunklen Wald.“ (Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie)

1983 verlässt Andrej Tarkowskij seine russische Heimat um in Italien seinen siebten Film Nostalghia zu drehen und danach wieder heimzukehren. Zu letzterem wird es nie kommen. Wie auch der Protagonist in seinem siebten Film, ein russischer Dichter, stirbt der Filmpoet in der Fremde, gebrochen von Heimweh. Dieses verhängnisvolle Fremde zieht sich wie ein roter Faden durch das Oeuvre Tarkowskijs, dessen Filme nie wirklich in der damaligen sowjetischen Gegenwart spielten und sich direkt mit den Gegebenheiten von Gesellschaft und Staat auseinandersetzten. Vielmehr schaffte er stets ein ganz eigenes, inneres Reich, einen Traum von Russland, der sich nicht einer Ideologie, sondern vor Allem den Einflüssen Tolstois und Dostojewskis, dem Schimmer unirdischer Ikonen, unterwarf.

Tarkowskijs Universum ist ein poetisches, ein strenges und schattenschweres, das von seiner ruhigen, fast gemäldehaften Bildsprache getragen wird. Das poetischste Werk in diesem Kosmos ist wohl Der Spiegel. Jegliche Erzähl-Linearität aufhebend, geht es hier um Wahrnehmung, die genau so wenig einer linearen Struktur wie einer allgemeingültigen Wahrheit folgt. Das menschliche Denken, das Erinnern funktioniert wie ein Spiegelbild, das aus sich selbst hervorgeht, sich selbst reflektiert und in sich verschränkt ist.

 

 

Zum ersten Spieltermin am 7.6. freuen wir uns über eine Einführung von Dr. Innokentij Urupin (Fachgruppe Slavistik der Universität Konstanz)!

Spielzeit: 7.-11. Juni 2018

Film-FSK 12

Russische Originalversion mit deutschen Untertiteln