April 1945 – Es sind die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs, der Zusammenbruch des NS-Staates ist nicht mehr weit. Vom penetranten Trompetenhorn begleitet, sieht man den Gefreiten Herold in Todesangst fliehen, gejagt von seinen eigenen Leuten, die ihm ans Leder wollen. Dem Todeskommando knapp entkommen, findet Herold in einem verlassenen Auto eine alte Uniform, die einem hoch ausgezeichneten Hauptmann gehörte und ihm zufälligerweise wie angegossen sitzt. Kaum angezogen probt er den Befehlston eines Machthabers, dem er eben noch haarscharf entgangen ist. Angezogen von seiner Aufmachung, reihen sich nach und nach versprengte Soldaten um ihn. Es folgt ein riesiger Bluff, den Herold ohne mit der Wimper zu zucken auch vor echten Offizieren durchzieht und spätestens als er in einem Straflager 30 verurteilte Soldaten hinrichten lässt, wird es happig.

Mit ausdrucksstarken Schwarzweißbildern wird der Wahnsinn des Krieges dokumentiert. Der Hauptmann stellt die Zuschauer vor unangenehme Vorfälle, die noch schwerer wiegen, da sie auf wahren Begebenheiten beruhen, denn die im Film gezeigten Gräueltaten sind leider nicht fiktiver Natur, wie wir alle wissen, gehören die Endphasenverbrechen des dritten Reichs zur erschreckenden Wahrheit. Herold gerät in eine Rolle, in der er sich selbst gefangen nimmt: Aus anfänglichem Selbsterhaltungstrieb wird zunehmend abartiger Machtwahn und was er als  Identifikationsfigur beginnt, beendet er als „Henker vom Emsland“. Ein verstörender Film von Robert Schwentke, der als radikaler Antikriegsfilm den Finger in die Wunde der verlorenen Menschlichkeit legt mit unerschrockenem Hinsehen, wo andere wegschauten.

 

 

Der Hauptmann läuft als Kooperation mit dem Stadttheater Konstanz und begleitet damit die Inszenierung Mein Kampf (Premiere: 20.04.18). ACHTUNG; TERMINÄNDERUNG: Am Sa. den 19.05. wird es eine Einführung durch Dramaturg Daniel Grünauer und zwei Protagonisten des Stückes geben.

Spielzeit: 17.-21. Mai 2018

Film-FSK 16 // Trailer-FSK 12

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