Der Welt überdrüssig schleppt sich der suizidale Kriegsveteran Joe, nur mit Gaffer-Band und Hammer bewaffnet, fast geisterhaft über die Leinwand. Joe ist ein Auftragskiller, der für seine reichen Auftraggeber deren entführte Kinder befreit. Doch sein jüngster Auftrag läuft nicht wie geplant und schon bald findet er sich inmitten eines Pädophilie-Rings wieder, der ihn tot sehen will.

Auf dem Papier scheint A Beautiful Day der klassischen, zum Erbrechen ausgelutschten Revenge-Thriller-Formel zu folgen: Ein Bösewicht legt sich mit dem falschen Typ, zur falschen Zeit, auf die falsche Weise an und muss Lehrgeld zahlen. Die Redundanz dieser Filme hat spätestens seit der Popularität der Taken-Reihe wohl ihren Höhepunkt erreicht. Natürlich gibt es aber auch Ausnahmen wie Blue Ruin, John Wick oder Drive, die beweisen, dass auch dieses Sub-Genre noch für gutes Kino stehen kann.

Eine solche Ausnahme bildet auch A Beautiful Day. Der Film lässt sich eigentlich ganz adäquat als die Arthouse-Variante von Taken beschreiben. A Beautiful Day fühlt sich wie eine Mischung aus Léon der Profi, Drive, Good Time und Taxi Driver an. Es geht hier nicht um das Töten des Killers, sondern um ihn selbst. Joe hat mindestens so sehr mit seinen inneren Dämonen, wie mit seinen äußeren Widersachern zu kämpfen. Woher seine Vorliebe zur Selbstasphyxierung und sein Todesdrang kommen, erwähnt der Film nicht explizit, deutet es aber visuell immer wieder an. Wie ein Rachegeist schwebt Joaquin Phoenix als Joe zurückgenommen und doch mit einer unglaublichen Präsenz über die Leinwand, während der fiebrig-misstönende Soundtrack von Radiohead-Gitarrist Jonny Greenwood eine unbehagliche und aber auch soghafte Atmosphäre schafft. A Beautiful Day ist ein radikal reduziertes Neon-Noir-Mood-Piece, das unter seinen Revenge-Thriller-Kollegen seines gleichen sucht und man daher auf keinen Fall verpassen sollte.

 

 

Spielzeit: 26. April – 8. Mai 2018

Film-FSK 16 // Trailer-FSK 12

Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln