Die gehobene Schicht Londons lädt zur Cocktailparty. Gastgeberin Janet feiert ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett der Opposition. Die Drinks sind gemischt, die Häppchen stehen bereit. Aus den Banktürmen der City wird das Koks mitgebracht. Die Kamera hält in gediegenem schwarz-weiß drauf. Wie maßgeschneidert unterstreicht der Sound von Ehemann Bills Schallplatten die eskalierende Stimmung an diesem Abend, der in rasanten 70 Minuten kein Auge trocken lässt.

Bill ist schon betrunken bevor der erste Gast erscheint und suhlt sich fortwährend in seiner depressiven Grundstimmung. Am Telefon ist Janets Affäre. Und dann die Gäste. Das lesbische Paar Martha und Jinny, frisch aufgetaucht aus den akademischen Untiefen der Geschlechterforschung, prahlt mit bevorstehendem Kinderglück. April und Gottfried hingegen drohen sich andauernd mit der Scheidung, ihr eisgekühlter Zynismus verzweifelt an seinen esoterische Gedankenbäume. Banker Tom hat neben den Drogen gleich noch seinen Revolver mitgebracht. Und was den Anlass der Party betrifft: Janets Partei hat eh kaum Aussichten auf einen Wahlerfolg.

Das glänzend harmonierende Ensemble debattiert im Rundumriss über die Themen der Zeit (Gesundheitssystem) und die Klassiker der Dinnerunterhaltung (Nazis) bis die bissigen Wortgefechte schließlich im Persönlichen enden. Die gesellschaftlich tonangebende, linksliberale Gesellschaft zerlegt sich selbst und zwar im Stil einer sprachlich gewitzten Komödie, die ihre Scheinheiligkeiten gekonnt entblößt. Sally Potters Film ist trotzdem weniger Milieustudie als Momentaufnahme in einer Zeit in der liberale Gewissheiten in Frage gestellt scheinen.

Am Sonntag, den 24.09. zeigen wir einstimmend als Kurzvorfilm die Krimikomödie The Bloody Olive (BEL 1996, 10:55 Min. FSK 12, R: Vincent Bal).

 

 

Spielzeit: 22.-27. September 2017 FSK (Film & Trailer) 12 Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln