Von einem koreanischen Filmfestival gefördert, in Argentinien gedreht und in Szene gesetzt von einem Salzburger Regisseur: mehr Weltenbummler geht wohl nicht. Der zweite Film von Lukas Valenta Rinner blickt auf eine ungewöhnliche Produktionsgeschichte zurück. Nachdem sein Debütfilm Parabellum beim koreanischen Jeonju Film Festival 2015 den Jury-Preis gewann, erhielt er eine Einladung für das Jeonju Digital Cinema Project, bei dem jährlich drei Regisseure in acht Monaten einen fertigen Spielfilm produzieren. Das Ergebnis ist Los Decentes (auf Deutsch „die Anständigen“), der sogleich auf der Diagonale den Preis für den besten österreichischen Film gewann.

Richtig anständig, wie der Titel nahelegt, geht es aber nicht zu. Hinter den Elektrozäunen ihrer Gated Community in Buenos Aires und bewacht von Security, wohnen die Reichen in Villen und frönen dem Überfluss, sowie ihrer Nudisten- und Swinger-Gemeinschaft. Als das neue Hausmädchen Belén Wind davon bekommt, wird sie schnell Teil dieser Gemeinschaft. In der Zügellosigkeit und dem harmonischen Umgang miteinander erlebt sie geistige und sexuelle Befreiung und wandelt sich von der verkrampften, schüchternen Putzfrau zur fast schon revolutionären Kämpferin. Natürlich bleibt da Reibung nicht aus.

Mit imposant inszenierten Bildern, schafft Rinner abseits von Voyeurismus eine beeindruckende Parabel auf Klassengegensätze und Abschottungstendenzen der Mittelschicht. Ruhige Kamerafahrten lassen die Bildkompositionen wie Gemälde wirken; und wenn die in sich gekehrte Belén dann ihren Zopf löst und mit ihren dunklen, langen Haaren und ihren Händen Brüste und Scham bedeckt, scheint es fast, als betrachte man Botticellis Venus.

 

Spielzeit: 09.-14. November 2017

Spanische Originalversion mit deutschen Untertiteln