Mit einer Fluppe in der Hand sitzt David Lynch in seinem Atelier in Los Angeles. Zwischen Zigarettenrauch und dem Anmischen von Farben erzählt der Altmeister des amerikanischen Independent Films von prägenden Ereignissen in seinem Leben und gibt Einblicke in seinen Schaffensprozess. Mit dieser Prämisse verspricht David Lynch – The Art Life gleich zwei Dinge: Das einigermaßen unbekannte Werk Lynchs als bildender Künstler vorzustellen und einen der geheimnisvollsten Filmemacher zu erklären. Die dokumentarische Collage deckt dabei in 20 Interviews nicht nur die Kindheit und Jugend des Universalkünstlers in den 1950er und 1960er Jahren ab, sondern beleuchtet auch seine Anfänge in Hollywood und die Entstehung seines Kultfilms Eraserhead. Während Lynch beim Arbeiten in seinem Atelier gezeigt wird, werden diese Erinnerungen mit privaten Aufnahmen und Blicken auf sein – meist nicht filmisches – Schaffen in allen Phasen seines Lebens illustriert.

Was also bringt einen Filmemacher dazu Holzscheite zum Reden zu bringen (Twin Peaks), Hasen Sitcom Klischees porträtieren zu lassen (Inland Empire) oder Dennis Hopper diese fünf Worte sagen zu lassen: „Mommy… Baby wants to fuck.“ (Blue Velvet)? Der Film versucht zwar genau solchen Fragen nachzugehen und die Spuren seiner Jugend in seinem Werk nachzuempfinden, ob er damit allerdings tatsächlich Erfolg hat, muss wohl jeder Zuschauer für sich entscheiden. Denn Lynch tut, was er am besten kann: manipulieren. Er nutzt die Dokumentation um weiter an seiner eigenen Legende zu stricken und die Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion noch weiter zu verwischen. Wenn er von seiner Kindheit, seinen Anfängen in einem ruhigen Vorort erzählt, wird man unweigerlich an den Beginn von Blue Velvet erinnert. Zufall? Wahrheit? Inszenierung? Am Ende dieses Films bleiben ähnlich viele Fragen offen, wie auch bei seinen restlichen Werken.

 

 

Spielzeit: 04. – 08. Januar 2018

FSK (Film & Trailer) 0

Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln