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Einmal im Monat, Samstags, so nah wie möglich an Vollmond, gibt’s für alle Schlaflosen, Somnambulen und andere Mondsüchtige einen speziellen Film-Doppelpack: Feinster Horror, Ugly Bloodshed, Body Politics oder tiefdunkelschwarze Komödie. Wir bemühen uns um Klassiker, insbesondere wenn sie vom Index runter sind, Erstaufführungen, Sneaks und Festival-Geheimtipps. Zweimal Film, Themenkuchen und Preise zu gewinnen gibt’s hier für sagenhafte 9 Euro! Die Moonlight Madnesses sind ein Vorgeschmack auf das ShiversFestival, das im November stattfinden wird, jetzt aber noch ein dunkles Geheimnis ist. Diesmal feiern wir mit den Iren! Am 17. März ist der St. Patrick‘s Day, der beschwingteste Tag im irischen Kalender. Und weil jede gute Party für den einen oder anderen im Krankenhaus endet, wenden wir uns mit respektvollem zeitlichen Abstand der blutigen Seite des Feiertags bzw. der physischen Seite irischer ‚Heiliger‘ und deren Gegenspieler zu. Als Gott die Welt erschuf, wusste er genau, warum er aus England eine Insel machte. Er platzierte Irland gleich nebenan, dachte aber, dass ein wenig Sicherheitsabstand nicht schaden könne. Als er bemerkte, dass der Abstand auf Dauer wohl zu gering war, sah er sich ein wenig in der Bringschuld und er beschloss, wenigstens die Schlangen weg zu lassen. Als er dann bemerkte, was die Iren für ein großes Herz haben und wie sie dieses stets lautstark auf der Zunge tragen, wollte er sie unbedingt bei sich haben. So schickte er im 5. Jahrhundert Pádraig Mac Calprainn (St. Patrick), um den Iren den Pfad Gottes zu weisen. Der Glaube wurde zum neuen Exportschlager (siehe das Kloster Mittelzell auf der Reichenau, 724 n. Chr. von Pirmin gegründet). Es folgten Heldensagen von fliegenbepilzten Berserkern, Wikingerüberfälle, England mischt sich ein, Hungersnöte, Konfessions- und Unabhängigkeitskämpfe. Die Geschichte der Iren ist geprägt von Leid, Vertreibung und Blut, das an den Händen vieler klebt. Ihre Lieder, denen unsere höchste Sympathie gilt, sind voller Melancholie, unbändigem Freiheitsdrang und trotziger Lebenslust. Etwas zeitverzögert begehen wir den St. Patrick’s Day mit der schwarzhumorigen Blei-Oper The Boondock Saints aka Der blutige Pfad Gottes (1999) und dem brandaktuellen, beinharten Brett von Film Let us prey (2014).

– Heinz Baumgartner

The Boondock Saints

Englische OV

Ein feuchtfröhlicher St. Patrick’s Day kann gar nicht ohne Pub-Schlägerei enden, erst recht nicht, wenn in Boston stolze Iren auf russische Mafiosi treffen. Doch was für die Brüder Connor und Murphy als Selbstverteidigung beginnt, macht sie zu Todfeinden des Syndikats. Inspiriert durch die Predigten eines katholischen Priesters, der die Gleichgültigkeit der Menschen vor dem Verbrechen anklagt, finden die Gebrüder ihre wahre Bestimmung: als Racheengel Boston vom Bösen zu befreien. Auf der blutigen Spur ihrer Selbstjustiz: der wahnwitzige FBI Agent Paul Smecker (Willem Dafoe), der Verbrechen zum Klang von Arien in Maximallautstärke rekonstruiert. Und dann entfesselt die Mafia ihren letzten Trumpf, das menschgewordene Monstrum „Il Duce“, die Brüder zu richten. Style, Humor und katholizistische Bürgerwehrhaftigkeit heben den Kultfilm The Boondock Saints a.k.a. Der Blutige Pfad Gottes aus der Masse der Selbstjustiz-Thriller heraus. In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. Bang!

– Max Heermann

Let us pray

Englische OmU

Eine kleine Prise John Carpenter kann nie schaden. Das hat sich wohl Drehbuchautor David Cairns gedacht. Und so liest sich die Prämisse von Let us prey verdächtig nach einem der ganz großen Klassiker der Regie-Legende. Ihre erste Nachtschicht hatte sich die junge Polizistin Rachel (Pollyanna McIntosh) sicherlich anders vorgestellt: Bereits als der mysteriöse Fremde Six (Liam Cunningham) in der Polizeistation auftaucht und darum bittet, sich einsperren zu lassen, ist ihr klar, dass das nicht allzu oft vorkommt. Doch dann beginnt Six, aus seiner Gefängniszelle heraus Psychospielchen zu spielen. Es scheint ganz so, als wüsste er über alle Anwesenden in der Wache bestens Bescheid. Sein Plan geht auf: Die Polizisten lassen sich auf den Unbekannten ein. Bald droht die Lage zu eskalieren. Let us prey legt schon nach wenigen Minuten ordentlich los und denkt bis hin zum wahrhaft delirierenden Finale gar nicht daran, mal einen Gang zurückzuschalten. Ein wahrer Hochgenuss für Fans der härteren Gangart.

– Stefan Schimek

 

Spielzeit: 21.03. 20 Uhr