Es lohnt sich im März dem eigenen cineastischen Wahnsinn zu huldigen, nach 30 Jahren Zebra, 27 Jahren RoboCop und 37 Jahren Star Wars treffen die drei Mächte endlich in einer Nacht zu einem epischen Finale um den Kopf des Kinobesuchers aufeinander. Während Paul Verhoeven Version des RoboCop voller Gewalt, Korruption und doppeldeutiger Kritik steckte und die ursprüngliche Star Wars Trilogie sich eine bis heute treue Fanschar erspielen konnte, sieht es 2014 anders aus. Metro-Goldwyn-Mayer gab eine neue weichgespülte Ausgabe des Science Fiction Stoffes in Auftrag, der kürzlich in allen Cineplexen mit einer FSK 12 angelaufen ist und Lucas verkaufte seine Schöpfung kürzlich an The Walt Disney Company. Der richtige Zeitpunkt für ein Kontra dem Ausverkauf! Gegen die stumpfe Hollywood remake machine! Gegen seelenlose Sequels!

Aber anstatt der zeitlosen Klassiker zeigen wir zwei alternative Herangehensweisen: Zu erst das crowdsourced Remake „Our RoboCop Remake“, welches verschiedenen Filmtechniken (Zeichentrick, Stop-Motion, Mashup, Neuverfilmung, Tanz, etc.) von über 50 Regisseuren in diversen unterschiedlichen Arten der Persiflage und Hommage bündelt: „Because if anyone is going to ruin RoboCop, it’s us.“ Danach zeigt uns Damon Packard, wie Star Wars Episode II wirklich entstanden ist in seiner „The Untitled Star Wars Mockumentary“ von 2003. Zwei gute Gründe den Sessel der lieb gewordenen Gewohnheit zu verlassen um sich überraschen zu lassen von einer anderen Form der Geschichtsschreibung.

OUR ROBOCOP REMAKE

Das zweifellos Beste, was die 80er Jahre hervorgebracht haben, waren SciFi Filme. Basierend auf dem 1979er ALIEN von Ridley Scott lag auf einmal die Zukunft der Menschheit in den Händen von Großkonzernen: SCANNERS (Cronenberg), TERMINATOR (Cameron), ROBOCOP (Verhoeven), BLADE RUNNER (Scott), TOTAL RECALL (Verhoeven). Die Frage von Macht, Moral, Mechanoid und Menschlichkeit musste angesichts der Zeichen der Zeit neu verhandelt werden. Die Robotermäßigkeit des Menschen war dabei nie das Problem, immer aber die menschelnde Frage der Maschine nach dem „Ich“.
Mit dem Abstand von etwas mehr als einer Kinogänger-Generation greift jetzt die Filmindustrie in die Archivkiste und fabriziert Remakes der kultigen 80er Streifen, wenn diese nicht ohnehin zu erfolgreichen Franchises wurden (ALIEN, TERMINATOR). Storytechnisch innovationsarm aber technisch aufgemotzt sind die Neuauflagen mehr zum Gelddrucken gedacht, als dass sie wie ihre Vorgänger die Brisanz und Gedankenspiele von Mensch-Maschine der nahen Zukunft konsequent durchspielen würden.
Wenn auch sonst niemand was dagegen unternimmt, dann wenigstens im Fall von ROBOCOP das Fandom. Die Meinung ist einhellig: Unter filmindustriellen Voraussetzungen brauchen wir kein Remake! Und bevor die Majors das Versemmeln, machen wir’s (die RoboCop-Fans) lieber selbst. So entstand im letzten Jahr ein ROBOCOP-Remake, das von 55 Fan-Filmemachern Szene für Szene nachgestellt wurde. Herzblut gegen hirnloses Effekt-Spektakel, Mensch-Maschine Ursprungsdenken (am Rande des Daten-Highways) gegen Effekt-Spektakel, Faszinosum gegen testosteronhaltiges Popcorn-Kino.

Regie: 55 Fan-Filmmakers; mit: Fan-Actors en masse u.a.

The Untitled Star Wars Mockumentary

USA 2003;
Regie: Damon Packard; Mit: Tony Curtis, Daryl Haney, Damon Packard, Shawn Yanez
45 Min.

CGI! CGI! CGI! Pushing the button! Pushing more buttons! Filmemachen im digitalen Zeitalter: von der ersten Idee bis zum fertigen Kinofilm verfolgt Damon Packard das Schaffen und Machen von Georg Lucas und seinen emsigen Bienen. Man erfährt dabei nicht nur, welche tief greifenden Bereicherungen Blade Runner und Inseminoid für Star Wars Episode I und II waren, sondern auch über die Ängste, Irrwege und Hoffnungsschimmer am Horizont, die dem Team begegnen. Sicherlich, es handelt sich dabei „nur“ um eine Mockumentary, möchte man einwerfen. Alles was man zu sehen bekommt – und was mehr schlecht als recht aus Interviews, behind the scenes Dokumentationen und diversen Spielfilmen zusammengeklaut wurde – hat doch mit der Wahrheit nichts zu tun. Aber kann man sich dem gruseligen Gefühl eines Regisseurs kurz vor dem Nervenzusammenbruch entziehen, welcher trunken vor Macht nur den Blick für das Eine hat? CGI! CGI! Mehr und mehr CGI! Ob man nun damit Lucas und Packard meint, bleibt einem schlussendlich selbst überlassen.

„We’ve been stuck in the late 80’s in a worsening freeze-frame of restrictions, regulations, red tape, fear, fines and punishment. It’s over. The world has become one giant mini-mall. One giant jail cell. Join the program, shift your perspective on reality in the right direction or you will face the consequences. We blew it.“ Packards pessimistische Sicht auf die Gegenwart drückt sich in vielen seiner Filme aus, die irgendwo um die Pole SciFi und Fantasy kreisen. Dabei ist „The Untitled Star Wars Mockumentary“ nicht nur zynische Kritik, sondern gleichzeitig eine unglaublich erheiternde und vor Lachen Tränen in die Augen bringende Möglichkeit sich mit der Gegenwart zu versöhnen. Und das braucht es vielleicht nicht nur in Retrospektive, denn mittlerweile schreiben wir das Jahr 2014 und für das nächste Jahr hat The Walt Disney Company bereits den ersten Star Wars Film angekündigt: Fluch oder Segen? Die Zeit wird es zeigen, bis dahin: Möge die Macht mit euch sein!

Spieltermin: 15.3.2014 21:00