Berbarian Sound StudioAuch heute noch schlagen beim Wort „Giallo“ die Herzen vieler Genrefans höher. Dieser Begriff, der im Italienischen eigentlich schlicht für die Farbe Gelb steht, wurde im Laufe der 1960er zum Synonym audiovisuell extravaganter italienischer Filmkost, die oftmals weniger Wert auf komplexe Handlungsstränge legte, sondern vielmehr auf extravagante, opulente Bilder und eindringliche Klangkulissen setzte, die für gewöhnlich noch mit einem ordentlichen Schuss nackter Haut und knallig-rotem Lebenssaft gewürzt wurden. So schufen Regisseure wie Mario Bava und Dario Argento vor allem in den 70ern eine ganze Reihe dieser Filme, die heute in den meisten Ländern völlig zurecht als moderne Klassiker gelten. Nur in Deutschland unterliegen diese Titel aus Jugendschutzgründen nach wie vor einem strikten Werbeverbot, weshalb wir an dieser Stelle keinen davon nennen dürfen. Irgendjemand muss ja schließlich an die Kinder denken.

Ungeachtet dessen hatte der italienische Giallo einen enormen Einfluss auf das internationale Horror- und Thrillerkino und inspirierte viele namhafte Filmemacher wie John Carpenter (HALLOWEEN), Wes Craven (SCREAM) oder Sean S. Cunningham (FREITAG DER 13.) bei ihrer Arbeit an eigenen Genreklassikern. Vor allem in den letzten Jahren jedoch kam es zu einem kleineren internationalen Revival dieses Vorläufers des heutigen Slasherfilms: So hatte das Zebra vor Kurzem bereits die belgische Giallo-Hommage AMER im Programm und auch Altmeister wie Signore Argento meldeten sich mit eigenen Beiträgen zurück.

Zwei der unserer Meinung nach besten sogenannten „Neo-Gialli“ möchten wir Ihnen nun im November als Double-Feature im Zebra präsentieren:

 

Berberian Sound Studio
Englisch mit deutschen Untertiteln
GBR 2012, 92 Minuten, Regie: Peter Strickland

 

Wir schreiben das Jahr 1976, die Hochzeit des klassischen Giallo. Der introvertierte aber hochtalentierte britische Toningenieur Gilderoy wird von einem italienischen Filmstudio engagiert, um dem neuesten Werk des exzentrischen Regisseurs Santini, IL VORTICE EQUESTRE, eine würdige Soundkulisse zu verpassen. Nichtsahnend macht sich der zartbesaitete Engländer ans Werk, nur um schnell feststellen zu müssen, dass sein neuestes Projekt, ein stilecht-grausiger Hexenhorror, sehr wenig mit seiner bisherigen Arbeit zu tun hat. Um das blutige Treiben auf der Leinwand passend zu vertonen, schlachtet er Kohlkopf um Kohlkopf und macht auch vor anderem unschuldigen Gemüse nicht Halt. Doch Regisseur und Produzent setzen ihm immer extremere Bilder vor, was den sensiblen Briten allmählich in den Wahnsinn zu treiben droht…

BERBERIAN SOUND STUDIO ist nicht nur eine unheimlich atmosphärische und spannende Liebeserklärung an das Genre, sondern wirft auch einen interessanten Blick auf einen gerne übersehenen Aspekt des Filmemachens. Unheimlich, ein bisschen verstörend und auf alle Fälle lohnenswert.

 

Masks

Deutsche OV

DEU 2011, 112 Minuten, Regie: Andreas Marschall

Stella (Susen Ermich) will um jeden Preis Schauspielerin werden. Doch alle Versuche, an einer Schauspielschule aufgenommen zu werden, enden bereits beim Vorsprechen. Dank eines Tipps versucht sie es schließlich an der Matheusz-Gdula-Schauspielschule und wird tatsächlich prompt genommen. Doch die anfängliche Freude verfliegt schnell: Stella findet heraus, dass Gdula, der Gründer der Schule, nicht nur im Verdacht stand, durch seine eigene Schauspielmethode Studenten in den Tod getrieben zu haben, sondern schließlich Selbstmord beging. Und auch das Gebäude selbst sowie die Lehrer und Schüler machen einen zunehmend bedrohlicheren Eindruck auf Stella. Als sie schließlich Verletzungsspuren an ihrer Freundin und Kommilitonin Cecile (Julita Witt) entdeckt, die beim Praktizieren von Gdulas berüchtigter Methode entstanden sein sollen, beschließt Stella, selbst Einzelunterricht zu nehmen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Eine fatale Entscheidung.

Andreas Marschalls MASKS ist nicht nur eine gelungene Hommage an die Hauptwerke von Argento und Bava, sondern mit Sicherheit einer der gelungensten deutschen Genrefilme überhaupt.