I’m losing my mind. Um ehrlich zu sein: Wir glaubten nie an einen Weltuntergang 2012. Deswegen war unser Versprechen zur letzten Moonlight Madness – The Moonlight Apocalypse – blanke Farce.

lynch

Wir glauben erst an die Apokalypse, wenn sie uns die Leinwand aus dem Kino reißt und mitsamt jedmöglichem bizarren Dröhnen und unvorstellbaren Lichtkegeln in den Abgrund zieht. Deswegen beschreiten wir nun erneut kinematographische Wege Richtung mindfuck, und zeigen gebührend als erste neue Moonlight Madness das, was in den 1970ern ein Fundament des Begriffs midnight movie werden sollte: David Lynchs legendäres Spielfilm-Debüt Eraserhead als bemerkenswert gut gekörnter high definition-Transfer und in brillanter Audioqualität, dank original HD-Master durch Hand, Ohren und Augen des Regisseurs selbst. Rahmen werden wir das Ganze durch fünf seiner besten Kurzfilme. Wir werden von Sinnen sein, und Projektor und Tonanlage zusammen mit Euch in diesem grandios surrealistischen Säureregen voll ausreizen. Turn on, tune in, drop out!

Eraserhead

Er lebt in einer kargen Umwelt, deren Zeit und Wirklichkeit wir nur in Fetzen erahnen können: Die Stadt,  ein Arbeiterviertel, das Schwarz im Weiß, dazwischen, davor und danach der Alltag. Er besitzt kaum etwas, das lohnt, das zum Begreifen reicht. Einzige Ausnahme ist seine Freundin Mary, mit der er ein Kind erwartet. Ihre Familie lädt ein zum Kennenlernen, zum Abendessen – Hähnchen, die zu Tisch tranchiert werden. Ihr Vater und ihre Mutter verhalten sich krude, sind weird. Mary? Vielleicht bleibt sie das, was er denkt, denn er liebt sie. Aber das schließlich geborene Kind ist undenkbar, zieht Mary weg von ihm, sie von dannen, lässt ihn zurück, entzieht ihm den Glauben an Vernunft, an das Rationale, entblößt die so dringende, pochende Sehnsucht. Begierde. Vordergründig bleibt das Baby, ein sich steigerndes Summen, Pfeifen, ein akustischer Schwelbrand. Der Heizkörper in seinem kleinen Apartment schreibt sich ein, wird Fokus par excellence, birgt seinen scheiternden Widerstand, sein Schicksal hin zu etwas, das dahinter von Klarheit singt. Das Lied schläft in der Maschine.

Lynchs erster Spielfilm ist das Meisterwerk des (post)modernen filmischen Surrealismus. Grell und dunkel strömt das Leben. Ohne Hoffnung, erhofft und: wunderschön.

Angst vor Mutation.
Angst vor Entstellung.
Angst vorm Unbekannten.
Angst vor Geburt.
Angst vorm Leben.
Angst vor sich selbst.
Angst vor den anderen.
Angst vor Entfremdung.
Angst vor Isolation.
Angst vor Einsamkeit.
Angst vor der Dunkelheit.
Angst vorm Unbegreiflichen.
Angst vor ?????????
Angst vor ……………
Angst vor Sinnlosigkeit.
Die vielleicht größte Angst: jemand macht Radiergummis aus deinem Kopf…

Ich fühle mich betroffen, fühle mich konfrontiert, fühle für Harvey [Henry], den schüchternen Menschen mit der seltsamen Frisur. Ich bin fasziniert, ich bin verstört. […] – ProsperDune

In Heaven everything is fine!

Als hoch-schmelzendes Panoptikum und vibrierendes Präludium zeigen wir vorneweg fünf wichtige Kurzfilme aus David Lynchs Schaffen – vier davon zeichnen sein Frühwerk, der letzte ist ein späterer Beitrag zu einer Hommage an die Gebrüder Lumière: Six Men Getting Sick (Six Times) (1966), The Alphabet (1968), The Grandmother (1970), The Amputee (1974), Lumière: Premonitions Following an Evil Deed (1995, Lumière et compagnie).

Sa, 19.01., 21:00 – Jetzt reservieren