Dicke Mädchen  © Missing Film

Dicke Mädchen © Missing Film

Dicke Mädchen ist wohl der sympathischste, außergewöhnlichste, herzlichste, überraschendste deutsche Film 2012. Wo er auch lief, auf internationalen Festivals oder in Berlin, Hamburg oder Köln, beglückte er das Publikum. Das hervorstechendste Merkmal des Films ist sein leichter, schwungvoller und rauer Stil (grobkörnige Handkamera), aus dem heraus eine ganz ungewöhnliche Natürlichkeit entsteht, mit der der Film seine Geschichte immer mehr entfaltet.

Der schwergewichtige Mittvierziger Sven (Heiko Pinkowski) lebt noch bei Mutti (Ruth Bickelhaupt). Die beiden teilen sich nicht nur die Wohnung, sondern auch das Bett. Die alte Dame benötigt wegen ihrer Demenzerkrankung intensive Betreuung, so dass tagsüber, wenn Sven in der Bank arbeitet, Pfleger Daniel (Peter Trabner) nach dem Rechten sieht. Als Mama Edeltraut eines Nachmittags ihren Pfleger auf dem Balkon ausschließt und verschwindet, machen sich die beiden Männer auf die Suche nach ihr und finden dabei nicht nur die alte Dame, sondern auch Gefühle füreinander.

Die Mischung aus Wagnis und Originalität steckt trotz (oder gerade wegen) seinem minimalen Budget und der stark auf Improvisation setzenden Inszenierung voller Situationskomik und skurriler Momentaufnahmen. Etwa wenn Sven in einem vermeintlich unbeobachteten Moment mit einem Kopfhörer-Stecker im Hintern einen ekstatischen Nackttanz zu Ravels „Bolero“ aufführt, während Mutter ihn heimlich durchs Schlüsselloch beobachtet und sich amüsiert. Gleichzeitig geht dem Film nie seine Ernsthaftigkeit verloren. Wenn Svens abgeschottete Welt von äußeren Ereignissen langsam umgekrempelt wird, ist das eben nicht nur fremdartig und komisch, sondern mit Schwierigkeiten verbunden und offenherzig erzählt.

„Geld macht keine Filme“ sagte einst Werner Herzog (und drehte dann Aguirre – Der Zorn Gottes, 1972). Und in der Tat: Wenn jemand wirklich etwas zu erzählen hat und eine Herzensangelegenheit daraus macht, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. In diesem Sinn hätten wir uns darauf gefreut, den Regisseur Axel Ranisch am Donnerstag, den 21. Februar im Zebra-Kino zu einem Filmgespräch begrüßen zu dürfen. Leider musste dieser krankheitsbedingt absagen.

Achtung: Der Besuch von Regisseur Axel Ranisch am 21.02. muss aus Krankheitsgründen leider entfallen!
Spieltermine:

Do, 21.02. 20:00 | Fr, 22.02. 21:15 | Sa, 23.02. 21:15 | Mo, 23.02. 19:00

httpv://www.youtube.com/watch?v=F6ZAkn_il1I