Wir befinden uns in der Jahreszeit der langen, endlos anmutenden Nächte, und so liegt es nahe, am 14.01. unsere Moonlight Madness den Abgründen der geistigen Finsternis zu widmen. In diesem Double Feature laden wir ein auf eine Reise in die Heimat der Hillbillys, fernab der Großstadt, wo Religion und gute Sitte regieren.

Entlegene, ländliche Gebiete verheißen in Horrorfilmen selten Gutes, so auch in diesem furiosen Doppelpack der Dogmatik und Perversion. Mit Bildgewalt und zynischem Wortwitz (nicht zuletzt dank authentischer Dialekte) nehmen uns Michael Steiner (Sennentuntschi) und Kevin Smith (Red State) in isolierte Welten des Schreckens und des Absurden mit, stets mit einem Augenzwinkern inszeniert.

Red State

Für harte Kost ist Kevin Smith, Regisseur von Kult-Komödien wie Clerks und Chasing Amy, nicht gerade bekannt. Vielmehr dagegen für Dialogwitz, vulgären Humor und glaubhafte (oder zumindest irgendwie liebenswerte) Charaktere. In seinem neuesten Streich, Red State, vereint er allerdings alte Tugenden mit Zynik der schwärzesten Sorte, einer gewaltbereiten christlichen Terror-Sekte und einer ordentlichen Prise Tarantino.

Für die drei Teenager Jared, Travis und Billy Ray fängt alles ganz harmlos an. Sie wollen dem langweiligen Leben auf dem Land einen Abend Spaß der erwachsenen Sorte abgewinnen und folgen einer Sex-Annonce aus dem Internet. Bei der älteren Frau im Wohnwagen läuft aber nicht mehr alles wie geplant und die Jungs finden sich bald in einer äußerst misslichen Lage wieder, ihr Leben in der Hand gottesfürchtiger Rednecks. Spannend und rasant wird mit manch einem Horrorfilm-Klischee gebrochen, während sich die Gewaltspirale unaufhaltsam in Richtung Eskalation schraubt. Red State spielen wir am 15.1. nochmals.

httpv://www.youtube.com/watch?v=MPK6qeu7ROo

Sennentuntschi

Jeden Sommer ziehen sie hinauf in die Berge, auf die Almen, um das Vieh der Bauern zu hüten – die Rede ist von den Sennen, einsame Hirten, die in den Alpen ihre Arbeit verrichten, Käse herstellen. Dann, wenn Andere normalerweise in die Heimat zurückkehren oder in den Urlaub fahren. Ein Exil auf Zeit, welches der Männergemeinschaft auf dem Berg ein ums andere Mal arg zusetzt – so sehr, dass sie sich aus Heu und Jutebeuteln eine Frau basteln, um sich mit ihr die Zeit zu vertreiben. Diverse Schandtaten bleiben mit dieser simplen Version einer Gummipuppe natürlich nicht aus und bald rächt sich das Geschöpf, von gottgleicher Macht zum Leben erweckt, für ihre Schändung. Zunächst durch Vernichtung des Viehbestands, später direkt an den Hirten selbst. So erzählt man sich zumindest die Sage der Sennentuntschi.

Was passiert nun, wenn ein Regisseur diese Sage nimmt und einen Film daraus macht? Die Handlung im Film von Michael Steiner dreht sich vornehmlich um drei Sennen, die eben genau diese Geschehnisse im Jahr 1975 erleben: In der Nacht, nach der sie sich eine Puppe gebastelt haben, beginnt eine junge Frau auf der Alm für Unheil zu sorgen. Soweit, so klassisch. Sennentuntschi stellt aber zusätzlich eine Verknüpfung zwischen dem Geschehen in den Bergen und der Heimat der Hirten her. So scheint das Grauen in dieser Verfilmung gar nicht unbedingt aus dem völlig abseits gelegenen Hochland, sondern vielmehr aus der vermeintlichen Geborgenheit des kleinen Dorfes zu stammen. Dass der Film komplett in Schweizerdeutsch gedreht wurde, verleiht ihm im rustikalen Setting der Schweizer Alpen zusätzliche Authentizität.

httpv://www.youtube.com/watch?v=Vqm-fli7T6Q