Mit seinem Diplomfilm Novemberkind machte Christian Schwochow bereits 2008 auf sich aufmerksam. Das Debüt des gebürtigen Rügeners heimste etliche Nominierungen und Preise ein und stieß auch in der Rezeption auf überwältigend unisonores Lob. Nun, vier Jahre später, folgt mit Die Unsichtbare Schochows zweiter Streich. Wieder stammt auch das Drehbuch aus seiner und der Feder seiner Mutter, und wieder versammelt er eine Riege renommierter deutscher Schauspieler um sich: Wie schon in Novemberkind sind Anna Maria Mühe, Ulrich Matthes und Christina Drechsler (Stromberg) mit von der Partie, neu sind hingegen Hauptdarstellerin Stine Fischer Christensen (gebürtige Dänin) und Charakterkopf Ulrich Noethen.

Erneut geht es um eine junge Frau in der Identitätskrise, doch wie bereits in Novemberkind versteht Schochow es, die Thematik fernab vom üblichen sozialromantischen Kitsch glaubhaft in Szene zu setzen. Dabei ist Die Unsichtbare aber ein gutes Stück drastischer und intensiver geraten. Das klaustrophobische Psychodrama um eine junge, obsessive Schauspielstudentin erinnert aufgrund der thematischen Nähe zwangsläufig an Aronofskys Black Swan, setzt jedoch ganz eigene Duftmarken. Protagonistin Fine (Christensen), anstrebende Aktrice, leidet schwer unter ihrer schwachen Bühnenpräsenz – umso überraschter ist sie, als der profilierte Regisseur Kaspar Friedmann gerade sie für die Hauptrolle seines neuesten Projekts auserwählt. Dabei sucht Friedmann eigentlich nur „formbare Masse“ und sieht in Fine den eigenen manischen Perfektionismus gespiegelt. Unerbittlich treibt er sie in Richtung der eigenen „dunklen Mächte“ – bis Realität und Fiktion gänzlich verschwimmen.

Dass die Geschichte Pathos vermeidet, ist dabei nicht zuletzt auch das Verdienst der großartig aufspielenden Newcomerin Stine Fischer Christensen. Nuanciert und eindringlich mimt sie ihre von Selbstzweifeln und Erfolgsdruck geplagte Figur, die in der Grenzerfahrung das eigene Ich zu überwinden sucht und letztlich daran zu zerbrechen droht. Ihren Namen wird man – wie auch den von Christian Schochow – in Zukunft wohl noch öfter hören.

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