Kerzen, Messer, Brüste, Blut. Fische, ja, richtig, mit Fischen fängt es an. Der schüchterne Tropenfischhändler Shamoto hat sich eingerichtet in einem belanglosen Leben, das wie die Frischwasserzufuhr eines Aquariums stetig vor sich hin tröpfelt. Mit seinem schäbigen Zierfischladen kann er sich und seine kleine Familie gerade so über Wasser halten.

Lediglich ein “glücklicher“ Zufall bringt den zurückhaltenden Ehemann in die verlockende Position, Mitarbeiter des charismatischen Fischmoguls Murata zu werden. Worauf sich Shamoto dabei wirklich eingelassen hat, eröffnet sich dem Zuschauer nun Stück für Stück in beeindruckenden Bildsinfonien. Sukzessiv offenbaren sich die dysfunktionale Struktur von Shamotos Kleinfamilie, die mörderische Verantwortungslosigkeit seiner eigenen Passivität und die grauenhafte Erkenntnis, dass das Böse in jedem Menschen zu finden ist, fordert man es nur heraus.

Reales Vorbild für Shion Sonos “Splatter-Thriller“ war das Besitzerpaar eines Tierladens in den 90er Jahren in Japan, das unter Mithilfe eines Angestellten mindestens vier Menschen vergiftete und deren Leichen grausam zerstückelte. Die ersten zwei Drittel der schwarzen Komödie geben diese Geschehnisse mehr oder weniger originalgetreu wieder, bis Sono schließlich im Schlussakt seine künstlerische Freiheit bis zur Schmerzensgrenze auslotet. Der gefeierte Regisseur von Love Exposure beweist auch in Cold Fish sein Geschick, brutal-archaische Splatter-Szenen -Szenen mit einem subtilen psychologischen Hintergrund und sezierender Kritik an der japanischen Gesellschaft zu unterfüttern.

Die Poesie seiner avantgardistischen Bildwelten und abstrusen Inhalte wurzelt vielleicht in Sonos erstem Karriereversuch als Lyriker – zumindest trifft es auch auf seine Filme zu, dass sich hinter dem blutverkrusteten Bedeutungsträger Bild wie bei den einzelnen Wörtern eines Gedichts ein ganzes Sinnkonglomerat verbirgt, das neben der Ratio vor allem ur-menschliche Empfindungen anspricht.
Wie die stummen Fische in Muratas grün-gläsernen Aquarien beobachtet man paralysiert und fasziniert diese Gewalt-Sex-Blut Fantasie, in der aus Menschen Monster werden.

httpv://www.youtube.com/watch?v=ZwiW9c2Z6lg