Je ungewöhnlicher die Nachfrage, desto skurriler das Angebot.

Unter dem Namen „Alpen“ bietet eine kleine Gruppe, bestehend aus einer Krankenschwester, einem Rettungssanitäter und einer  Sport-Gymnastin eine Dienstleistung der etwas anderen Art an: Für eine gewisse Zeit schlüpfen die Mitglieder in die Rollen kürzlich Verstorbener, um das Leid der trauernden Angehörigen zu lindern. So leben „Mont Blanc“, „Matterhorn“ und „Monte Rosa“ in fremden Wohnungen, tragen die Kleidung der Verstorbenen und inszenieren langsam verblassende Erinnerungen nach.

Dabei befolgen sie streng den 15 Regeln umfassenden Kodex, den der Anführer „Mont Blanc“ seinen Kameraden stets einbläut. So ist es den Mitgliedern strengstens untersagt, sich emotional an den Kunden zu binden oder gar intime Beziehungen mit ihnen einzugehen. Eine Regel, die „Monte Rosa“ bei einem ihrer Aufträge schmählich missachtet und somit sich und die ganze Gruppe in Gefahr bringt…

Yorgos Lanthimos (DOGTOOTH) hat mit seiner beeindruckenden Mischung aus scharfsinniger Gesellschaftskritik, Tristesse und absurdem Humor, der genau so trocken ist wie die karge Landschaft, in der ALPEN gedreht wurde, die griechischen Antike in das 21. Jahrhundert übersetzt. In statischen, langsamen Bildern zeigt der Oscar-nominierte Regisseur den Aufstieg und den Fall der Trost spendenden Ersatzmenschen. Dabei unterstreicht die unkonventionelle Kameraarbeit Christos Voudouris‘ schmerzlich die ständige Gegenwart des Abwesenden.

ALPEN ist ein weiterer Meilenstein des jungen, aufstrebenden Autors Lanthimos, der im Rahmen des Film Festivals in Venedig 2011 – zusammen mit Efthymis Filippou – die Goldene Osella für das beste Drehbuch gewann.

Spieltermine: Do, 04.10. – Mo, 08.10.

httpv://www.youtube.com/watch?v=rRTaaK9mEdU