»Berlin is the shelter. Love is impossible. Flesh is the law.« So lautet das Motto, unter das Regisseur RP Kahl den Film Bedways stellt. Der Film selbst scheint diese Aussage eher zu hinterfragen als bejahen zu wollen.

In einer Berliner Wohnung beginnen drei junge Menschen ein ungewöhnliches Filmprojekt. Nina hat Hans und Marie eingeladen, um auszuprobieren, ob es möglich ist, einen erotischen Film zu drehen, in dem Sexualität auch explizit vorkommt. Ihr Anliegen dabei ist es, so legt sie es den beiden Schauspielern dar, sich von reiner Pornographie zu distanzieren, indem das Resultat neben dem Sex auch die daran beteiligte Liebe zeigt. Dadurch, dass es für den Film im Film keinerlei Drehbuch oder Skript gibt, fällt es den Protagonisten schwer, Realität und Fiktion, Ziel des Films und eigene Bedürfnisse, gespielte und persönliche Gefühle auseinanderzuhalten, je weiter die Handlung fortschreitet. Diese Problematik steigert Marie noch dadurch, dass sie die Schauspieler dazu auffordert, weder sich selbst noch irgendjemand anderen zu verkörpern. Das Projekt scheint sich immer mehr aufs Scheitern zuzubewegen.

Damit lässt sich erneut die Frage stellen, ob das anfänglich pessimistisch erscheinende Motto vielleicht doch zutrifft. Neben der Crux, in die sich die Handelnden innerhalb des Films verstricken, lässt Bedways Fragen offen. Eine wäre, ob der – zugegebenermaßen bereits häufig unternommene – Versuch, einen erotischen Film mit erzählerischem Schwerpunkt zu drehen, um mehr als nur Geschlechtlichkeit auszustellen, gelingt. Eine weitere, ob die Aussage des Films Bedways sich an Ninas Filmvorhaben orientiert oder ob es ihm gelingt, eine Distanz dazu zu schaffen, um übergeordnete philosophische Erkenntnisse zu ermöglichen.

In Kooperation mit dem Weitwinkel-Kino in Singen zeigen wir im Rahmen unserer Reihe Junger Deutscher Film ein Werk, dessen Thematik und Darstellung kontroverse Meinungen geradezu heraufbeschwört. Eine Eigenheit, die viele deutsche Filme in der jüngeren Vergangenheit vermissen ließen und die mit Sicherheit dazu beitrug, einen solch provozierenden Film zum Abschlussfilm unter dem Thema »Perspektive deutsches Kino« auf der Berlinale 2010 zu wählen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=AuLgqjs177s