Die Uhr tickt. Eine Handvoll Jugendlicher eilt flotten Schrittes durch Paris, vorbei an den Straßencafés und Zeitungskiosken, durch die Metro, vorbei an der beleuchteten Pyramide des Louvre, durch die Glas und Betonwelt von La Défense. Stets in Kontakt übers Smartphone. Koordiniert, konzentriert, entschlossen. Denn die Teenager implementieren einen Terroranschlag. Im Thriller-Takt erhöht der Film das Tempo, die Schritte werden schneller.

Dann endlich treffen sie sich, warten gespannt. Gehen die Bomben hoch? War der Anschlag erfolgreich? Was geschieht jetzt? Wie reagiert die Stadt? In diesen zähen Minuten entschleunigt Nocturama, der neue Film von Betrand Bonello. Atmet tief durch, schwelgt im durchdekorierten Ambiente des geschlossenen Kaufhauses, in dem sich die Jugendlichen verstecken. Zwischen ausladenden Möbeln und Designerklamotten kommt der Zuschauern diesen halben Kindern nahe. Die Kamera studiert ihre Gesicher. Dialog ist nicht wichtig, in ihrer Gestik, Mimik kommen die Figuren zum Leben.

Terror in Paris, ein politisch aufgeladener Stoff. Zu heikel für Cannes, feierte Nocturama letztes Jahr beim Internationalen Filmfestival in Toronto Premiere. Doch er ist kein Problemfilm, keine soziologische Studie. Sondern die pure cineastische Erkundung des Moments, seiner Geschwindigkeit und Entschleunigung. In ihm spiegeln sich nicht die Attentäter der Abendnachrichten oder die Programme der Politiker, sondern die suchenden, traurigen Gesichter seiner Protagonisten.

 

Spieltermine: Do., 25.05.17, 20:00 Uhr I Fr., 25.05.17, 19:00 I Sa., 27.05.17, 21:30 I So., 28.05.17, 19:00 I Mo., 29.05.17, 21:30 I Di., 30.05.17, 19:00

Französische OmU

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