Auschwitz im Oktober 1944: Der jüdische KZ-Insasse Saul Ausländer (Géza Röhrig) ist Teil des Sonderkommandos, das im Vernichtungslager für die Verbrennung der Leichen aus den Gaskammern zuständig ist. Als er dabei eines Tages auf den Leichnam eines Jungen stößt, der seinem eigenen Sohn wie aus dem Gesicht geschnitten zu sein scheint, beschließt Saul, diesem die letzte Ehre zu erweisen. Da das Judentum das Einäschern von Toten grundsätzlich verbietet, setzt Saul alles daran, den unbekannten Jungen zu einem Rabbi zu bringen, der ihm ein ordentliches Begräbnis ermöglichen soll. Nachdem sich in den Reihen des Sonderkommandos die Kunde verbreitet, dass das Lager durch die anrückenden sowjetrussischen Truppen kurz vor der Auflösung stehen könnte, nutzt Saul die Chance des sich anbahnenden Gefangenenaufstands, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Auf 35mm und im 1.33:1-Academy-Format gefilmt, liefert der ungarische Regiedebütant László Nemes ein so beeindruckendes wie erschütterndes Erstlingswerk ab, mit dem er sich zweifellos mit den ganz großen Namen seines Fachs messen kann. Der Zuschauer wird durch den beengten Bildausschnitt förmlich in die Rolle der Hauptfigur gezwängt. Die Kamera lässt nicht von Saul ab, sie folgt ihm unentwegt, während um ihn herum – für den Zuschauer meist im Off – unaussprechliche Dinge passieren. Selten hat ein Film den Schrecken des Holocausts mit derart unter die Haut gehender Intensität vermitteln können. Das ist auch den eindringlichen Darbietungen der Akteure, allen voran der des Hauptdarstellers Géza Röhrig, zu verdanken, in dessen Gesicht sich der ganze Horror ablesen lässt, den seine Figur erfahren muss.

Nicht zu Unrecht mit etlichen Preisen ausgezeichnet (u.a. als diesjähriger Oscar-Preisträger in der Kategorie „Bester nicht-englischsprachiger Film“), ist Son of Saul ein Film, der gänzlich auf reißerische Effekthascherei verzichtet. Stattdessen gelingt es ihm, sich mit wenigen Mitteln tief ins Gedächtnis des Zuschauers zu bohren, um dort noch lange Zeit nachzuwirken.

 

 

Spieltermine: Do., 10.03.16, 20:00 Uhr; Fr., 11.03.16, 21:45 Uhr; Sa., 12.03.16, 19:30 Uhr; So., 13.03.16, 21:45 Uhr; Mo., 14.03.16, 21:45 Uhr; Di., 15.03.16, 19:30 Uhr; Fr., 18.03.16, 19:30 Uhr; So., 20.03.16, 20:00 Uhr; Mo., 21.03.16, 19:00 Uhr

Mehrsprachige Originalversion mit deutschen Untertiteln

FSK 16

Kartenreservierungen per Mail möglich

ausgezeichnet als bester fremdsprachiger Film 2016