Closet Monsters Hauptfigur, der schillernd benannte Oscar Madly, will einfach nur raus: raus aus der kleingeistigen kanadischen Kleinstadt, raus aus seinem Elternhaus, das er mit seinem seit der Trennung von seiner Frau tiefunglücklichen und stets bizarrer agierenden Vater teilt, und vor allem raus aus dem symbolischen Schrank – doch nach einer traumatischen Erfahrung, bei der er als kleiner Junge Zeuge eines brutalen homophoben Übergriffs auf einen Mitschüler wurde, scheint letzteres praktisch unmöglich. Statt dessen schmiedet der angehende Spezialeffekte-Maskenbildner Pläne, mit seiner besten Freundin und seinem geliebten Goldhamster Buffy, der mit Isabella Rossellinis Stimme zu ihm spricht (!) nach New York aufs College abzuhauen. Als er seinen neuen Kollegen, den geheimnisvollen Rebellen Wilder trifft und sich von ihm sofort angezogen fühlt, ist das für ihn beinahe sofort der Anlass, sich seinen Ängsten, die sich mittels schockierender Visionen manifestieren, zu stellen.

In seinem Langspielfilm-Regiedebüt mixt Stephen Dunn auf vortreffliche Weise Drama- und Fantasy-Elemente, was ihm nicht zu Unrecht den Vergleich mit seinen Landsmännern Xavier Dolan und David Cronenberg, v.a. dessen Bodyhorror-Filmen, eingebracht hat. Einen dermassen verstörenden, skurrilen, lustigen, originellen Coming-of-Age/ Coming-Out-Film hat es selten gegeben, was höchstwahrscheinlich primär der Tatsache geschuldet ist, dass es sich bei dem Projekt um eine Art Trauma-Arbeit handelt: Dunn verarbeitet in Closet Monster seine eigenen Erfahrungen als queerer Mann, der in seiner Jugend in seiner Heimat Neufundland unter dem Eindruck einer Reihe hate crimes gegen LGBT-Menschen aufwuchs.

Dass der Film durch seine düsteren Themen nicht zu schwer wird, liegt zum einen am bemerkenswerten Humor des Skripts, häufig geäussert von Oscars Vertraute Buffy, die wohldosierten Prisen magischer Realismus und die hervorragenden Schauspieler: allen voran Shooting star Connor Jessup, der momentan in der hochgelobten 2. Staffel von American Crime glänzt, der sexy Franzose Aliocha Schneider als Oscars Objekt der Begierde sowie Aaron Abrams, Hannibal-Fans bestens bekannt als Pathologe Zeller.

 

 

Spieltermine: Fr, 28.10.16, 19:30 Uhr | Sa, 29.10.16, 18:00 Uhr | So, 30.10.16, 20:00 Uhr | Di, 01.11.16, 19:00 Uhr

FSK 12

Englische Originalversion mit deutschen Untertiteln

Kartenreservierungen per Mail möglich