In Simon Jaquemets Film Chrieg geht es, wie dem Titel zu entnehmen ist, um Krieg. Aber nicht um einen sogenannten „zivilisierten“ Krieg, wie etwa in einer strategischen Schlacht. Jaquements Krieg ist einer im Thomas Hobbes’schen Sinne: ein Kampf aller gegen alle. Hier speziell ein Feldzug verlorener Jugendlicher gegen die Welt der Erwachsenen, von denen sie verstoßen wurden.

Matteo wird von seinen Eltern auf die Alm, in eine Einrichtung für schwererziehbare Jugendliche, ein Bootcamp, geschickt. Kein Internet, kein Handy, kein Alkohol – nur Arbeit, Zucht und Ordnung; jene „Tugenden“, die den abtrünnigen Jungen wieder auf die richtige Bahn lenken sollen. Kaum in den Bergen angekommen, merkt Matteo allerdings schnell, dass die Regelung vor Ort eine ganz andere ist. In der Berghütte haben nicht erwachsene Erzieher das Sagen, sondern die drei Halbstarken Anton, Ali und Dion. Nach anfänglichen Schikanen schafft es Matteo, sich als würdiges Gruppenmitglied zu behaupten. Gemeinsam begeben sich die verlorenen Seelen auf einen nächtlichen Streifzug durch die naheliegende Stadt und verbreiten dort Anarchie und Chaos in der Gesellschaft. Sie kämpfen – gegeneinander, gegen Gleichaltrige, gegen die Erwachsenenwelt, gegen das System. Wenn es Tag wird, kehren sie in ihre kleine Festung in die Berge zurück. Doch auch jenes Fort wird, auf Grund widriger Umstände, nicht allzu lange die beständige Schutzhütte für die vier Vergessenen bleiben.

Chrieg ist ein spannendes und realistisches Drama, gespielt von Laien. Eine cineastisch-deskriptive Dystopie, ohne moralisch zu werten. Erörtert werden dabei zugleich bedeutende Themen, wie Freiheit, Wut, Anarchie, Freundschaft, Pädagogik, Identität. Das beängstigende an diesem Debüt: Die Charaktere sind gar nicht so weit hergeholt. Eine Bande rebellierender und frustrierter Jugendlicher im kriegerischen Rausch – vielleicht schon bald in Ihrer Stadt?!

Wir freuen uns Regisseur Simon Jaquemet am Donnerstag, den 5.5., um 20 Uhr begrüßen zu dürfen, der seinen Max Ophüls Preis – Gewinner selbst vorstellen und anschließend zu einem Publikumsgespräch bereit stehen wird.

 

 

Spieltermine: Do., 05.05.16, 20:00 Uhr (mit Regisseur); Fr., 06.05.16, 19:30 Uhr; Sa., 07.05.16, 18:30 Uhr; Mo., 09.05.16, 19:30 Uhr

Schweizer Originalversion mit deutschen Untertiteln

FSK 12

Kartenreservierungen per Mail möglich