Laut „Die Welt in Zahlen“ kommen in Island auf je 1000 Menschen 1636 Schafe. Damit belegt Island Platz 7 in der Weltbestenliste der Schaf-zu-Mensch-Verhältnismäßigkeit. In den ländlichen Gebieten sind Schafe existenziell für die Menschen, so auch für die beiden Brüder Kiddi und Gummi. Beide wohnen in einem entlegenen Tal im Norden Islands in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. Dennoch haben die kantigen Männer seit 40 Jahren kein Wort mehr miteinander gewechselt. Überhaupt wird in diesem isländischen Drama wenig gesprochen. Regisseur Grímur Hákonarson erzählt seine fast schon archaische Geschichte vor allem mit atemberaubenden Bildern der kargen Landschaften und mit kleinen Gesten, die in den wettergegerbten Gesichtern der Brüder zerklüftete Gefühlslandschaften aufscheinen lassen.

Als Kiddi nach einem Züchterwettbewerb heimlich Schafe seines Bruders unter die Lupe nimmt, findet er Symptome der Traberkrankheit, einer hochansteckenden und bei Schafen tödlich verlaufenden Hirnerkrankung. Das Veterinäramt ordnet daraufhin die Notschlachtung aller Tiere im Tal an. Erst nach gründlichster Desinfektion und einer Schutzzeit von zwei Jahren wäre die Schafzucht wieder gestattet. Während der jähzornige Gummi seinen Frust mit Schnaps ersäuft, versteckt Kiddi einen Schafbock und ein halbes Dutzend Schafe in seinem Keller, um sie vor den Veterinären zu retten. Notgedrungen müssen sich die verfeindeten Brüder nun zusammenraufen, um das Unheil von ihren Tieren abzuhalten.

Die besondere Stärke des Films liegt in seiner geradlinigen Einfachheit. In diesem Punkt ist er ein wenig vergleichbar mit David Lynchs The Straight Story (1999). Zu jedem Moment kann man den Kummer dieser schroffen, aber herzenswarmen Menschen nachvollziehen, sie um ihre Genügsamkeit beneiden und für ihren Pragmatismus bewundern. In Cannes erhielt Grímur Hákonarson dafür den Hauptpreis der Sektion Un Certain Regard.

 

 

Spieltermine: Fr., 08.01.16, 19:30 Uhr; So., 10.01.16, 20:00 Uhr; Mo., 11.01.16, 21:45 Uhr; Fr., 15.01.16, 22:00 Uhr; Mo., 18.01.16, 19:30 Uhr

Isländische Originalversion mit deutschen Untertiteln

FSK ab 6

Kartenreservierungen per Mail möglich