Aus den Trümmern des 2. Weltkriegs erwuchsen auf Betreiben der Deutschen Bahn in den 1950ern in den Bahnhöfen deutscher Großstädte sogenannte AKIs, also Aktualitätenkinos, die dabei helfen sollten, Reisenden die Zeit zu vertreiben. Neben Wochenschauen liefen dort zwölf Stunden am Tag verschiedenste Filmbeiträge über Weltpolitik, Königshochzeiten oder Tiere im Wald. Als die Bahn das Interesse am Kino verlor und die Bahnhöfe lieber in Einkaufsmeilen umwandelte, änderte sich das Profil der AKIs zu dem, was man heute mit dem Begriff Bahnhofskino oder Schmuddelkino für ein männliches, nicht-reisendes Publikum assoziiert. Horror, Action, Karate oder – wie die Betreiber verkündeten – gab man den Leuten nun was sie wollten und ihnen vom Fernsehen noch nicht geboten wurde: „Wenn auch mit Bedauern (…) habe sich die Geschäftsführung dann bereit finden müssen, vorrangig in der Programmgestaltung sogenannte ‚Sexfilm-Programme‘ einzusetzen.“ (Frankfurter Nachrichten 31.05.1979).

Fortan zeichnete sich das Programm aus durch hohen Schauwert bei niedrigem Budget, nicht selten aus heimischer Produktion (Krautsploitation und Dirndl-Filme). Daneben gab es aber immer auch Filme, die aus heutiger Sicht als ‚Genre-Juwelen‘ gehandelt werden, die sich seriöse Kinos nie im Leben zu spielen getraut hätten. Nebenbei – und das zeigt der Film auf höchst sympathische Art – sind die BaLis (Bahnhofs-Lichtspieltheater) auch ein Ort, an dem für viele Menschen die Kino-Sozialisation eingesetzt hat. Zu Wort kommen hier Jörg Buttgereit oder Wolfgang Niedecken. Bis heute sind BaLis ein noch wenig erfasstes, alltagskulturelles Phänomen, dem nun liebevoll ein höchst unterhaltsames, filmisches Denkmal gesetzt wird.

P.S.: Auch heute spielen Kinos immer noch eine wichtige Rolle in der Städteplanung. So werden Kinos bzw. Einkaufsmeilen-Kinos dazu benutzt, wenig attraktive Stadtteile zu beleben.

 

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Spieltermine: Fr., 27.11.15, 20:00 Uhr; Sa., 28.11.15, 21:45 Uhr; So., 29.11.15, 20:00 Uhr; Mo., 30.11.15, 22:30 Uhr

Deutsche Originalversion

FSK ab 18

Kartenreservierungen per Mail möglich