Nehmen Sie sich einen Stift, ein Blatt Papier, das Sie in zwei Spalten aufteilen und 15 Minuten Zeit. Schreiben Sie in die linke Spalte alle Namen von Regisseuren, die Ihnen auf Anhieb und ohne Wikipedia-Recherche einfallen; in die rechte Spalte die Namen aller weiblichen Regisseurinnen. Sie werden recht schnell feststellen, wie schwer es fällt, auch nur im Ansatz beide Listen gleichmäßig zu füllen. Die Filmindustrie ist von einer Geschlechterungerechtigkeit geprägt, wie sie sonst im Jahr 2014 selten zu finden ist. Von den 250 finanziell erfolgreichsten Filmen im Jahr 2013 hat lediglich bei 8% eine Frau Regie geführt, wie das Center for the Study of Women in Television and Film im Jahresbericht bekannt gab. Nun mag man schnell in den Reflex verfallen, alles auf die bösen, großen Hollywood-Studios abzuwälzen. Aber es sieht auch im Kunst- und Arthousekino nicht besser aus, gab es doch in den letzten Jahren etwa in Cannes mehrfach ganze offizielle Wettbewerbe ohne einen einzigen Beitrag einer weiblichen Regisseurin. Das Problem ist also universeller.

Sarah Polley (© Fugu Films)

Sarah Polley (© Fugu Films)

Nicht, dass das Talent nicht gegeben wäre: Frauen machen in den meisten westlichen Ländern seit Jahren die Hälfte an Filmstudierenden aus. Umso paradoxer ist es dann aber, dass der Frauenanteil in der Filmbranche in den letzten 15 Jahren dann sogar noch abgenommen hat. Egal ob im Mainstream, Arthouse oder im Kunstkino: die Ideen sind da, aber die Filmemacherinnen stoßen auf verschlossene Türen, wenn ein Film als „zu weiblich“ gelten könnte. Wie Greta Gerwig (im Zebra zuletzt in Frances Ha zu sehen) niederschmetternd zusammenfasst: „I think that people get really angry when it’s women doing it, to be totally honest. There’s something that feels threatening about it and they have to be doing something other than being thoughtful.”

Wie kommen wir aus dieser Situation am besten heraus? Schweden und Spanien haben erst vor wenigen Jahren die Filmförderung angepasst, um verstärkt Filme mit weiblicher Regie oder Autorschaft zu fördern. Ob eine solche Quotierungen wirklich Veränderungen bringen, lässt sich noch nicht abschätzen.

Die Filmzeitschrift Indiewire versuchte es Ende 2013 auf ganz eigene Weise. Unter dem Titel „Heroines of Cinema“ wurden zehn junge Regisseurinnen unter 40 aufgelistet, die auf ihre ganz eigene Art und Weise und ohne Kompromisse Kinoarbeit machen. Ob in der Erzählweise, Kameraarbeit oder Thematik: Filmemacherinnen wie Miranda July, Andrea Arnold oder Lucia Puenzo schaffen es, ihren Filmen eine einzigartige, individuelle Stimme zu verpassen. Viele haben mit ihren Filmen auch schon den Weg ins Zebra gefunden. Doch wir möchten den Weltfrauentag am 8. März zum Anlass nehmen, nochmals einen gezielten Blick auf die weltweite Arbeit junger Filmemacherinnen zu werfen. Daher zeigen wir drei Filme von drei Filmemacherinnen, denen die Auszeichnung „Heroine of Cinema“ zuteil wurde. Als kleines Kino in Konstanz werden wir die Welt allein nicht besser machen, aber wir hoffen, damit immerhin ein Bewusstsein für die Existenz solcher female voices im Kino zu schaffen – und diese Stimmen in den nächsten Jahren lauter und lauter werden zu lassen.

Mehr zu den einzelnen Filmen des Schwerpunkts:

Water Lilies (Celine Sciamma, 2006) | 7.-10.3.14

Wuthering Heights (Andrea Arnold, 2011) | 20.-24.3.14

Stories We Tell (Sarah Polley, 2012) | 27.-31.3.14

 

Lesetipps (teilweise auf englisch)

Falls wir dein Interesse am Thema geweckt haben, empfehlen wir dir diese teils englischsprachigen Artikel:

An Oscar-Nominated Director Gets Real About How Women Are Treated in Hollywood (Indiewire vom 14.01.14)

The Celluloid Ceiling: Behind-the-Scenes Employment of Women on the Top 250 Films of 2013 (PDF-Datei)

Frauen in der Filmbranche: „Wir sind stinksauer“ (Die Standard vom 16.2.2014)

 

New York Film Academy takes a look at gender inequality in film