Merle (Anne Ratte-Polle), Ende 30, ist eine Autorin, die ihren Freund und Verleger Romuald in dessen Anwesen in Südfrankreich besuchen möchte. Sie ist wegen ihm hier oder auch zum Schreiben oder wegen des südfranzösischen Sommers. Als sie ankommt, erwartet sie niemand. Romuald ist nicht da und wird erst später, Tage später, zu ihr stoßen. Stattdessen verbringen Romualds Kinder ihre Ferien in der Sommervilla. Der 16-jährige Felix (Leonard Proxauf) empfindet Merles Anwesenheit als Provokation und verhält sich feindselig, ebenso Emma (Emma Bading), deren 13. Geburtstag kurz bevorsteht.

Halbschatten

Halbschatten

Schnell fühlt sich die Unwillkommene unnütz, ihre Schreibbemühungen kommen nicht voran und im Austausch der Bosheiten kann sie gegen die Kinder nicht bestehen. Genau so wenig gegen einen örtlichen Bäcker, der sich weigert, ihr die vorbestellte Torte zu Emmas Geburtstag auszuhändigen. Romualds Abwesenheit, die flirrende Sommerhitze und die Größe des Hauses lassen Merle zunehmend verschwinden. Als Romuald zu Emmas Geburtstag endlich anruft, verweigern die Kinder das Gespräch mit dem Vater. Merle beschließt, den nahen Kindern zu gefallen und tischt dem fernen Liebhaber und Vater eine gehörige Lüge auf, wobei sie einen stillen Moment flüchtigen Triumphs erhaschen kann.

In ihrem Roman sollte es um eine Botanikerin im 19. Jahrhundert gehen, „eigentlich aber darum, wie die Dinge ihre Namen erhalten“. Wenn es jemals ein Band gab, das Ding und Name verknüpfte, ist es im 21. Jahrhundert längst überdehnt oder einfach nur beliebig geworden. Regisseur Nicolas Wackerbarth lässt seine Protagonistin durch einen Sommer driften, in dem Namen und Dinge bedeutungslos geworden sind. Einzelne Momente sind kurze Sinnangebote, fügen sich aber nie zu einem Ganzen. In der filmischen Umsetzung findet das gewagte Projekt vom „Porträt einer Verschwindenden“ seinen Niederschlag in milchig-grünlichen Bildern, dominant strengen Bildkompositionen und besonders dadurch, dass Entwicklungen zwar stattfinden, sich aber nicht zwangsläufig aus dem vorher Erlebten ergeben. Nach Unten Mitte Kinn präsentieren wir nun bereits den zweiten Film von Nicolas Wackerbarth.

Spieltermine: 16.1. 22:15 | 17.1. 19:00 | 19.1. 20:00 | 20.1. 19:00