© Dropout Cinema / Bildstörung

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A: El Topo (der Maulwurf) ist ein Revolverheld, irgendwo in Mexico. Seine Reise führt ihn über die Berge in ein Kloster, dann in die Wüste. Von dort aus in die unterirdischen Höhlen der Krüppel und schließlich in eine Westernstadt, die sich als Sündenpfuhl biblischen Ausmaßes erweist. Auf dieser an Begegnungen reichen Reise ereignen sich Loslösung und Initiation, Eskalation und Errettung, Erleuchtung und apokalyptische Strafe. So klassisch wie sich das jetzt liest – topologisch verläuft der Weg von ganz oben (Berg) nach ganz unten (Höhle), die Entwicklung des ‚Helden‘ führt von der Initiation über das Bestehen von Prüfungen zur Erleuchtung – so gegen den Strich setzt Jodorowsky dies alles um. Die zahlreichen Ereignisse werden nicht durch eine stringente Handlung verbunden, sondern – wenn überhaupt – durch ein Überangebot an Symbolen. Wenn es einen roten Faden gibt, lautet der: Blood sells Symbols.

B: Ein schwarz gekleideter Mann verlangt von seinem Sohn, er solle seine wichtigsten Erinnerungsstücke vergraben, da er nun ein Mann sei. Eine Mörderbande hat ein Massaker in einem Dorf angerichtet. El Topo spürt die Bande in einer Franziskaner-Mission auf und tötet alle. Die Gespielin des Anführers verlangt, dass sie ab jetzt mit ihm reiten wolle. Er lässt seinen Sohn zurück und nimmt die Frau mit. Mara meint, sie könne ihn nur lieben, wenn er der Beste wäre.

Um das zu beweisen, müsse er die vier Meister der Wüste besiegen. Er tötet sie. Dennoch wendet sich Mara von ihm ab und einer anderen Frau zu. Diese schießt ihn nieder. Er wird von den Krüppeln gerettet. Aus der Höhle der Krüppel gibt es keinen Weg hinaus, es sei denn, man grübe einen Tunnel. Geld für den Tunnelbau gibt’s in der Stadt. Mit einer Kleinwüchsigen führt El Topo die zotige Schmierenkomödie ‚Hochzeitsnacht‘ auf. Die Beiden werden gezwungen, das Spiel bis zum Ende zu spielen. Beschämt führt El Topo  die Kleinwüchsige nun zum Altar. Dort begegnet ihm ein seltsamer Franziskaner-Priester …

So sehr sich das jetzt auch nach Grindhouse anhört, so wenig ist der Film ein typischer Genre- oder Exploitation-Film. Jodorowsky vermengt Spaghetti-Western mit fernöstlicher Philosophie (Gewaltverzicht!), postchristianische Mystik (a là T.S. Eliots WASTELAND) mit alttestamentarischen Bestrafungs-Fantasien, Freakshow mit höchst artifiziellen Bildkompositionen, die stark an Salvador Dali erinnern. Symbole, Ikonizität und Rituale wie Initiation und Reinigung (so auch ‚Jüngstes Gericht‘) bespiegeln sich über Figurenkonstellationen und Topologie bis sie unter Druck quälend langsam kernfusionieren.

Seit 2012 runter vom Index, dürfen wir nun einen der erfolgreichsten MIDNIGHT MOVIES auf unsere Leinwand bringen! Aber Vorsicht, leicht wird’s nicht werden – nicht zu Unrecht ist der Film erst ab 18 Jahren freigegeben.
Do,     30.01.     20:00
Fr,     31.01.     19:00
Sa,     01.02.     21:30
Mo,     03.02.     19:00