„Was ist Europa?“ fragen wir uns seit letztem Oktober, als die Theaterkooperations-Reihe „Actor’s Factor – Ein europäisches Film-Intermezzo“ an den Start ging. Vier Filme (aus Spanien, Italien, Russland und Rumänien) haben wir schon gesehen, vier weitere (aus Deutschland, Dänemark, Grossbritannien und Norwegen) werden es bis zum Sommer noch sein. Sind wir der Antwort schon näher gekommen, auf halber Strecke? Setzt sich das Puzzle Europa zusammen?

Zur Halbzeit der Filmreihe darf es nun ein Heimspiel sein, denn wir widmen uns ausnahmsweise nicht den Kulturen und Traditionen unserer Nachbarsländer – dem „anderen“ Blick – sondern dürfen uns über (eigene) deutsche Stärken und Schwächen, Makel und Liebenswürdigkeiten amüsieren. Klischees gibt es viele! Das Auto. Der Wecker. Der Ernst. Der Wecker! Die Pingeligkeit. Die Autobahn. Der Wecker!! Die Ausraster..

Von all dem gibt es in „Ein Freund von mir“ mehr als genug. Dem Wecker und dem Dogma der Pünktlichkeit gehorcht Karl (Daniel Brühl), seines Zeichens Versicherungsangestellter. In einem Autoverleih lernt er Hans (Jürgen Vogel) kennen – das glatte Gegenteil von ihm. Der jobbt mal hier, mal da, plegt flotte Sprüche gleichermaßen wie flotte Autos. (Autos, Sie verstehen?) Karl taut auf und entdeckt eine andere Seite des Lebens, wozu es auch gehört, nachts nackt in einem Porsche über die Stadtautobahn zu flitzen. Erst als Stelle (Sabine Timoteo), „die Königin“, auftaucht, ist das harmonisch-dynamische Ying und Yang der ungleichen Freunde in Gefahr.

Typisch deutsch? Sehen Sie selbst. Von Humorlosigkeit, dem gern gepflegten Vorurteil über Deutsche, ist in der selbstironischen und gut pointierten Komödie jedenfalls nichts zu spüren.

Auf in die 5. Runde der Europa-Reihe! Mit „Ein Freund von mir“ gastiert das Zebra Kino erneut in der Werkstattbühne des Stadttheaters, Inselgasse 2-6. Hauptdarsteller ausnahmsweise: Die Leinwand. Außerdem freuen wir uns sehr, im Anschluss an den Film mit Max Fürth über das Gesehene zu sprechen. Max Fürth ist Leiter der Abteilung Ton und Video des Theaters.