Europa 1958: Homosexualität ist fast überall verboten. Schwule werden verfolgt und geächtet. Einen der wenigen Lichtblicke dieser finsteren Tage bietet die Zürcher „schwule Selbsthilfeorganisation“ und Zeitschrift Der Kreis als Sprachrohr homosexueller Kultur.

In der Schweiz ist Schwulsein seit 1942 zwar nicht strafbar, jedoch gesellschaftlich verachtet. Der Kreis betreibt daher einen inoffiziellen Club, in dem sich die „Homophilen“ treffen, den Gedankenaustausch pflegen und für die Rechte der Homosexuellen kämpfen – auf juristischer wie wissenschaftlicher und kultureller Ebene. Zu den regelmäßig stattfindenden Maskenbällen des Kreises reisen Schwule aus ganz Europa an.

Inmitten dieser Partyszene, deren gesellschaftliche Ächtung der Fröhlichkeit keinen Abbruch tut, verliebt sich der zurückhaltende Lehrer Ernst Ostertag in den Frisör und Travestiekünstler Röbi Rapp. Als es in ihrer Umgebung zu einem Mord kommt, nimmt die polizeiliche Repression immer mehr zu. Zudem fürchtet Ernst um seine Stelle als Lehrer, sollte seine Homosexualität bekannt werden.

Die Zürcher Polizei legt Schwulenregister an und führt regelmäßige Razzien durch. Homosexuelle werden verfolgt, verhört und misshandelt. Es beginnt eine Hetzjagd der Polizei auf die einzelnen Mitglieder des Kreises, um die Identitäten der widerständischen Homosexuellen aufzudecken.

Semidokumentarisch wird die Geschichte der Blütezeit und des Endes der Organisation erzählt, die europaweit als Wegbereiter der schwulen Emanzipation gilt und zahlreiche Nachfolgeorganisationen zu verzeichnen hat. Spielfilmsequenzen mischen sich unter Interviews mit Ernst Ostertag und Röbi Rapp – die am 1. Juli 2003 als erstes schwules Paar in der Schweiz offiziell registriert wurden – sowie mit vielen beteiligten Akteuren von damals.

Als bester Dokumentarfilm gewann Der Kreis völlig zu Recht den Teddy Award auf der diesjährigen Berlinale. Bei aller zeitgeschichtlichen Authentizität ist es jedoch vor allem die Geschichte über das Entstehen einer tiefen Liebe inmitten abgründiger Repression, die den Film so besonders macht.

 

Spieltermine: 30.10. 20:00 / 01.11. 19:30 / 02.11. 19:30 / 03.11. 21:45