Familientag in einer Berliner Wohnung, je gewöhnlicher, desto absurder. Dort leben die Eltern mit der kleinen Klara. Dazwischen ein merkwürdiges Kätzchen und der Familienhund. Extra angereist sind Sohn Simon und Tochter Karin. Später stoßen ein Schwager mit seinem Sohn und der Oma dazu („Oma schläft.“). Zwischendurch verirrt sich noch der Nachbarsjunge in die Wohnung und am Nachmittag kommen weitere Verwandte (die Schwester der Mutter mitsamt Mann und Tochter) dazu.

kaetzchenDie Küche ist der Ort der sozialen Interaktion, doch immer wenn jemand eine Geschichte erzählen will, gehen Haushaltsgeräte an oder Klara fängt an zu schreien oder das Kätzchen springt auf den Tisch oder der kleine Ball vom Nachbarsjungen fliegt durchs Fenster oder es klingelt an der Tür oder eine Flasche beginnt im Topf zu tanzen oder ein Falter flattert über die Köpfe oder – oder – oder. In langen, ungeschnittenen, stillleben-artigen Einstellungen choreografiert der Regisseur das Zusammentreffen der Familienmitglieder wie Kugeln in einem Billardspiel: Man begegnet sich, prallt aneinander ab, läuft seine Bahn, bis man erneut kollidiert.

Nach und nach drängen sich die unwichtigen Dinge immer mehr in den Vordergrund, so dass man den Eindruck gewinnt, dass beispielsweise ein Kochtopf genau so emotional reagiert wie die Mutter. Stimmen und Geräusche lösen sich von den Menschen, die sie hervorbringen, schweben im Off, während der Blick auf andere Menschen gelenkt wird und sie dabei zeigt, wie sie als Tänzer zu einer Art musique concréte gänzlich unspektakuläre Dinge tun. Gerade auf engem Raum wirken die Personen besonders isoliert. Es gibt zwischen ihnen zwar eine gewisse Vertrautheit und auch das Bedürfnis sich auszutauschen, doch das Kommunikations-Vehikel „Geschichten erzählen“ will einfach nicht funktionieren.

Wir wissen nicht, liegt es an den Menschen selbst oder an einer höheren Macht oder einfach am merkwürdigen Kätzchen. Und auch wenn der Familientag einmal zu Ende geht, eine große Geschichte hat Ramon Zürchers Debutfilm (Abschluss an der dffb) nicht erzählt. Umso größer ist das kleine Wunder, wie einfühlsam, humorvoll und dramatisch der Film dennoch geworden ist. Nicht umsonst war Das merkwürdige Kätzchen Publikumsliebling bei vielen Festivals.

Spieltermine: 22.3. 22:30 | 23.3. 20:00 | 24.3. 20:00