Wes Andersons fünfter Film ist laut Matter Zoller Seitz „sein 2001“: der eine Film, der am besten das Anderson’sche Ethos und seine wichtigsten Ideen zusammenfasst. The Darjeeling Limited ist seinem neuesten Werk, dem Grand Budapest Hotel, vielleicht der Naheste. Wie in Grand Budapest wird eine fremde Kultur, hier die indische, durch amerikanische Augen analysiert und stilisiert. In einer scheinbar ziellosen Geschichte, der Zugreise dreier Brüder (Owen Wilson, Jason Schwarzmann, Adrian Brody) quer durch den indischen Kontinent, fügen sich Andersons ausgeprägter visueller Stil und die farbenprächtige Kulisse hervorragend zusammen. Jedes Einzelbild, jede Einstellung mit den für Anderson typischen steifen Kamerabewegungen wird mit den stärksten
Farben und den raffiniertesten Details gesättigt. Die Geschichte wird nach und nach traumhafter und erreicht einen Höhepunkt mit einer aufsehenerregender „Puppenhaus“-Sequenz –vielleicht die beste Montage in Andersons Karriere. Drei verzweifelnde Söhne eines wohlhabenden Amerikaners beschließen, sich auf eine spirituelle Reise zu begeben. Am Anfang ist klar, dass Anderson jene klischeehaften Blockbuster-Filme persiflieren will, in denen der westliche Protagonist ins „Ausland“ fährt um dabei sich selbst besser kennen zu lernen. Diese sogenannte Reise der „Selbstentdeckung“ mit laminierten Reiseplänen, einem allwissenden Assistenten an der Seite und unglaublich großen Haufen monogrammierter Louis-Vuitton-Koffer. Aber irgendwann im Verlauf des Filmes scheint der eiskalte Zynismus verloren zu gehen. Andersons Kritiker behaupten, dass der Film in der zweiten Hälfte genau das wird, was er persifliert. So einfach ist es aber nicht. Wie Steve Zissou in The Life Aquatic sind die Brüder nicht sicher, ob sie wirklich eine Offenbarung erlebt haben oder nicht – somit bleibt Darjeeling Limited angenehm ambivalent. Wer sich fragt, warum Jason Schwarzmann die ganze Zeit in einem gelben Bademantel herumspaziert, findet eine halbe Antwort im dazu begleitenden mikrokosmischen Kurzfilm Le Hôtel Chevalier mit Natalie Portman und Schwarzmann in den Hauptrollen.

 

Spieltermine: 27.11. 20:00 / 28.11. 19:30 / 29.11. 21:45 / 01.12. 19:30