Es ist am Morgen vierfüßig, am Mittag zweifüßig und am Abend dreifüßig. Von allen Geschöpfen wechselt es allein mit seiner Zahl seiner Füße; aber wenn es die meisten Füße bewegt, sind Kraft und Schnelligkeit seiner Glieder am geringsten.“ Das Rätsel gibt die Sphinx von Theben dem Durchreisenden Ödipus auf, der es lösen und so seine Geburtsstadt Theben vom Ungeheuer retten kann. Als Befreier heiratet er Ismene, im Nichtwissen, dass sie eigentlich seine leibliche Mutter ist, und zeugt mit ihr vier Kinder, die in anderen Dramen Sophokles‘ teilweise als Hauptfiguren auftreten.

Bett der Gewalt

Bett der Gewalt

Der Aufbau der Handlung zählt bereits seit Aristoteles zu den Musterbeispielen einer Tragödie, in der das Umkippen der Ereignisse, Glück und Unglück in der Peripetie glanzvoll umgesetzt sind. Der antike Mythos ist wohl einer der bekanntesten antiken literarischen Überlieferungen, der Stoff hat in der europäischen Kulturgeschichte durch etliche dramatische Bearbeitungen von Seneca bis Hölderlin höchste Wertschätzung erfahren und durch Pasolini auch im europäischen Autorenkino einen prominenten Verehrer gefunden.

In der Interpretation Pasolinis von Sophokles‘ Drama „König Ödipus“ werden zwei Ödipusfiguren porträtiert – eine zeitgenössische und das mythische Vorbild. Das Geschehen spielt im antiken Theben und Bologna. Süditalien sowie Marokko boten dafür eine passende Kulisse und die Filmmusik ist nordafrikanisch orientiert. Pasolini bezeichnet dieses Werk als das am meisten autobiografische: „anstatt den Mythos in die Psychoanalyse heineinzuprojizieren, habe ich die Psychoanalyse in den Mythos zurückprojiziert.“

Der Stoff ist zeitlos. Ödipus inspirierte Sigmund Freud zu einer seiner größten Studien und wird durch die Triebe Thanatos und Eros Leser und Zuschauer wohl noch sehr lange beschäftigen.

Die Dramaturgin Sarah Wiederhold gibt am 16. Januar im Zusammenhang mit der diesjährigen Kooperation des Zebra Kino mit dem Stadttheater Konstanz und der Reihe „Actors‘ Factor – ein europäisches Filmcasino“ eine Einführung in den Film, wofür wir uns herzlich bedanken!

Spieltermine: 16.1. 20:00 | 17.1. 21:15 | 20.1. 21:15