Das Zebra Kino präsentiert am 6.2. die Premiere der deutsch untertitelten Fassung von „Balibo“.

1975 erklärte das kleine Ost-Timor seine Unabhängigkeit nach 400 Jahren portugiesischer Kolonialherrschaft. Neun Tage danach überfiel Indonesien die Nachbarinsel, annektierte das Land und richtete ein grausames Blutbad unter der Zivilbevölkerung an.

300.000 Menschen verloren ihr Leben, bis endlich die UNO einschritt. Die westlichen Regierungen versuchten unisono, diesen Genozid zu ignorieren. Nur der Fakt dass bei der Invasion auch fünf australische Journalisten ermordet wurden sorgte für Aufmerksamkeit. Fünf weiße Tote wogen 300.000 indigene Menschenleben auf!

Westliche Regierungen ignorierten das Blutbad in Ost-Timor

Die fünf Journalisten wurden damals bekannt als die „Balibo Five“, nach dem Namen des Dörfchens in dem sie getötet wurden. Bis auch ihr Schicksal in Vergessenheit geriet.

Und dann, 34 Jahre danach, entstand 2009 dieser australische Film. Was „Balibo“ will, ist schwierig: ein spannender Spielfilm sein, aber historisch korrekt. Die fünf Journalisten in den Brennpunkt stellen, ohne die timoresischen Opfer zu marginalisieren. Eine grandiose Landschaft filmen, ohne sie als Kulisse zu missbrauchen.

© Screen Australia

© Screen Australia

Wie der Film das hinkriegt, ist eindrücklich. Er stellt zu den fünf Reportern zwei weitere Protagonisten vor, beide historisch verbürgt: Roger East, ein arrivierter australischer Journalist wird von José Ramos-Horta, damals Außenminister der timoresischen Unabhängigkeitsregierung, ins Land gelockt. Er deckt mit Hilfe des Timoresen das Schicksal seiner fünf Kollegen auf, gerät aber selbst in die Invasion und in Lebensgefahr.

Im Disput zwischen diesen Beiden geht es auch um die Frage nach der Verantwortung von Medien. Roger East: „Die Leute für die ich schreibe kümmern sich einen Scheiß um 400.000 braune Leute, Freund. Das kommt auf die letzte Seite. Aber wenn ich das mit den fünf weißen Journalisten aufkläre, wird es der Aufmacher.“ Womit „Balibo“ natürlich auch auf seine eigenen Vermarktungszwänge verweist.

Was bietet der Film? Spannung, eine gute Story, intelligent erzählt, Knalleffekte, tolle Aufnahmen, humanitäre und politische Brisanz. Dafür gibt es keine Hollywood-Klischees in Form von Kitsch, Überhöhung der weißen Helden, subtilem Rassismus. Die Lovestory im Schlachtenlärm, das Standard-Happy-End? Nichts davon vermissen wir.

Auf der Suche nach Balibo

Australische Filme werden hierzulande fast völlig ignoriert. Wie so viele herausragende Streifen aus „Down Under“ lief „Balibo“ bis heute in keinem deutschen Kino – eine Show beim Münchener Filmfest 2010 nicht mitgerechnet. Der Film ist ohne deutschen Verleih und nie synchronisiert worden. Prima. Die Medienwissenschaften der Universität Konstanz haben in Kooperation mit dem Zebra in einem Workshop deutsche Untertitel für „Balibo“ erstellt.

Die ideale Untertitelung hinterlässt den Eindruck, den ganzen Film verstanden zu haben – und zwar ohne Untertitel

Was passiert in so einen Workshop? Sieben Arbeitsgruppen arbeiteten parallel, jede an einem anderen Teil des Films. Nach dem „Spotting“, also der bildgenauen Zeit-Synchronisation der Originaldialoge, wurde erstmal ins Deutsche übersetzt. Dann der schwierigste Teil: Kürzen und Optimieren der Untertitel.

Die Arbeit an "Balibo" im Uni-Seminar

Die Arbeit an „Balibo“ im Uni-Seminar

Warum? Wir lesen viel langsamer als wir hören, also muss ein schnell gesprochener Originaldialog im Textvolumen mindestens halbiert werden, trotzdem den Inhalt unverfälscht wiedergeben und leicht lesbar sein. Das geschieht am besten iterativ, also indem man die erstellten Untertitel mehrmals nacheinander immer weiter verbessert. Die Sprachvarietäten des Originals, Metaphern, Wortspiele, Realia werden umgesetzt, ohne den Sprech-, Film- und Leserhythmus zu stören. Unerlässlich dabei: Bescheidenheit. Denn die ideale Untertitelung hinterlässt beim Zuschauer den Eindruck, den ganzen Film verstanden zu haben – und zwar ohne Untertitel.

Als Abschluss und Praxistest dieses Projekts freuen wir uns, den Film in dieser Form als absolute Deutschlandpremiere im Zebra zu zeigen. Am Premierenabend erwarten Euch einige Beiträge zum Film und zur Untertitelung.

reporterWir zeigen die Premiere der deutschen Untertitel von Balibo in Kooperation mit der Universität Konstanz und Reporter ohne Grenzen.