Vier Menschen, vier Leben, ein Land. A Touch of Sin steht in der Tradition des episodischen Erzählens und nutzt diese um unterschiedliche Geschichten aus dem Reich der Mitte zu einem beklemmenden Gefühl zu vereinen, das über die geografischen und sozialen Differenzen hinwegsieht. Wir machen uns auf den Weg mit einem Minenarbeiter, der sich gegen die Korruption zu Wehr setzen will und schließlich von der Ablehnung frustriert mit einer Pumpgun im Arm seine Gerechtigkeit einfordert. Wir sehen einem Wanderarbeiter dabei zu, wie er von einem Ort zum anderen getrieben schließlich alles über den Haufen wirft und damit beginnt, mit Gewalt sein Geld einzufordern. Wir werden Zeugen davon, wie reiche Regierungsbeamte die Rezeptionistin einer Sauna sexuell nötigen und ihr schließlich der Geduldsfaden reißt. Wir folgen einem jungen Mann, der seine eintönige und gefährliche Arbeit verlässt, um in einem luxuriösen Hotel Anstellung zu finden. Vier Schicksale, eine Erfahrung, eine gemeinsame Richtung: nach vorne, in die Selbstbestimmung, notfalls auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

A Touch of Sin vereint filmische Sozialkritik und Genre-Erwartungen und versucht beiden Aspekten gleichzeitig Rechnung zu tragen. Jia Zhang-Ke gelingt dies vor allem im Spiel zwischen Allgemeingültigkeit und Martial Arts Heldentum. Für die einfühlsam-brutale, persönlich-politische Geschichte, in der nicht nur über Menschen, sondern über eine Zeit berichtet wird, erhielt Zhang-Ke 2013 den Preis für das beste Drehbuch in Cannes. Eine Reflexion über das zeitgenössische China aus einer für viele Kinogänger ungewohnt kritischen Sichtweise. Der Titel spielt auf A Touch of Zen (King Hu, 1971) an, den ersten chinesischsprachigen Cannes Preisträger überhaupt.

Gleichzeitig handelt es sich dabei um einen Film, der uns Zuschauer in der Tradition epischer Filme mit der Frage konfrontiert, wann Gewalt gerechtfertigt ist, welchen Zwecken sie dient und welche Mechanismen hinter ihr stehen. Damit ist A Touch of Sin im besten Sinne global, gerade in seinem Blick auf den Einzelnen.

Do, 6.3. 20:00 | Fr, 7.3. 22:15 | Sa, 8.3. 20:00 | Mo, 10.3. 20:00
Fr, 14.3. 20:00 | So, 16.3. 20:00 | Mo, 17.3. 20:00

FSK 16