Christoph Schlingensief, * 24. Oktober 1960 in Oberhausen; † 21. August 2010 in Berlin war ein deutscher Film-, Theater- und Regietheaterregisseur, Autor und Aktionskünstler.

Christoph Schlingensief (Foto © Filmgalerie 451)

Christoph Schlingensief (Foto © Filmgalerie 451)

In diesem Fall geht es nicht um seine Rolle im deutschen Film und sein Verhältnis zur deutschen Fernseh- und Medienlandschaft. Auch nicht etwa um die Entwicklung seines „cinema direct“. Ebenso wenig darf es um die biographische Erfassung einer „Akte Schlingensief“ gehen, die man danach wieder schliessen kann. Deshalb interessieret weder ein Schlingensief als Apothekersohn, dessen Werk und Leben von Wurst begleitet war, noch wie er sich vom Film zur Performance Kunst und zum Theater hinentwickelt hat. Und doch geht es jetzt hier im Fall Schlingensief um alle diese Sachen zugleich, aber eben nicht um einen Nachruf.

Oh, jetzt wird Schlingensief hier auch schon zu einem Fall, zu dem das „enfant terrible“ Schlingensief gemacht wurde, allein deshalb, weil er genauso beständig wie Don Quichot gegen die Windmühlen anging, die ihn umgaben. Doch dabei hatte er wohl erkannt, dass um ihn herum viele Windmühlen gibt, die nicht einfach aufhören sich zu drehen. Nicht zuletzt sagte er, dass es eine Illusion sei zu glauben, die Kunst erscheint und als direkte Folge dessen müsse sich die Gesellschaft verändern. Dennoch, die erste dieser Windmühlen, die auf die Leinwand kommt, handelt dann gleich von einer Aktion direkt vor der Wiener Staatsoper und dokumentiert dabei, wie rechtsradikale Slogans und ein Big Brother Container mit Ausländern Österreich fast zu Fall gebracht hätten. Thematisch geht es dann bei den nächsten Filmen weiterhin um Ausländerhass und Wurst, um patriarchale Tyrannei und Wurst, um Kirche und Wurst und überhaupt generell um jegliche Mikrophysik der Macht. Wer sich Fleisch einverleibt verfügt schliesslich über Macht.

Was Schlingensief jedenfalls auch bedeutsam macht, ist dass er Sensibilität für eine der zentralsten Fragen bewies, nämlich der nach dem Verhältnis zwischen Kunst und Gesellschaft. Das brachte ihn unter anderem auch ein, dass er sich als „Du Künstler Du!“ beschimpfen lassen musste. Vielleicht der erste Künstler überhaupt, der sich so etwas anhören muss. Naja jedem seine Wurst, wa.
Und an die lieben Fuelletonisten: von wegen „enfant terrible“, ja und wenn schon! Ab mit dem Terror…

 

04.-15.04.: Ausländer raus! Schlingensiefs Container

Christoph Schlingensief verwirklichte für eine Woche mitten im touristischen Zentrum von Wien eine Angstvision: Ein Abschiebecontainer für Asylanten, interaktiv beeinflußbar, rund um die Uhr beschallt mit rassistischen Ansprachen der FPÖ-Erfolgsfigur Jörg Haider und beklebt mit dessen fremdenfeindlichen Wahlplakaten. Tausende Passanten erregten sich vor Ort und wurden so zu Mitspielern in Schlingensiefs Inszenierung. Ein Scheinstück, das “das neue Europa” aufwiegelte und das “schwarze EU-Schaf” Österreich im Besonderen.

18.-22.04.: Egomania

In Egomania herrscht die Romantik und vor allem Baron Tante Teufel (Udo Kier). Das Drama spitzt sich unter seiner Gewaltherrschaft auf dem Eiland immer zu. Gewalt, Intrige, Misstrauen und Eifersucht vermischt mit Analogien zu Macbeth und begleitet von Bildern eines Caspar David Friedrich. Alle Werte scheinen abhanden gekommen, so dass das Drama seinen Lauf nimmt.

Weitere Filme folgen im Mai