Fuck For Forest

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Fuck For Forest – der Titel ist das Programm: Kopulieren für den Regenwald; also: Kopulieren vor der Kamera für den Regenwald; also: Kopulieren vor der Kamera für Geld für den Regenwald. Kurz: „So let‘s all get horny by nature, and give some LOVE back to our planet. “ – Hedonismus versus Globalisierungskritik! Ein einfacher Plan, welchen sich die selbst ernannten Öko-Aktivisten seit zehn Jahren auf die Fahne geschrieben haben, wozu Sex in einem Osloer Dom genau so gehört, wie das buchstäblich hautnahe Erfahren der Tropen.

Leider flutscht die Rettung der Umwelt weniger geschmeidig als gedacht: große Organisationen lehnen die Spenden ab, Hausverbot und Spott warten genau so auf die jungen Wilden, wie barsche Kritik von allen Seiten. Denn auch 44 Jahre nachdem sich die Kommune I aufgelöst hat, wird die Idee von freier Liebe, befreiter Sexualität und grenzenloser Toleranz gesellschaftlich unverändert in die Schmuddelnische gedrängt. Und die brasilianischen Ureinwohner haben nicht wirklich darauf gewartet, nach europäischer Denke „gerettet“ zu werden. Die Dokumentation des polnischen Regisseurs Marczak trägt zwar den gleichen Namen, wie die idealistische Gruppe – versucht auch so nah wie möglich am Geschehen zu kleben – schafft es jedoch nicht, die Distanz zu den Personen zu überbrücken und endet fast folgerichtig selbst im Widerspruch. An dem Punkt, an dem Marczak die Gruppe entlarvt, bricht die Zusammenarbeit ab. Die Aktivisten denunzieren den Regisseur mit dem banalsten aller Argumente: „FFF is a group of idealistic expressionists, Michal Marzak is a money and fame loving movie maker. “ Ein unüberwindlicher Graben zwischen zwei Weltanschauungen, oder Mangel an Selbstkritik?

So bleibt es beim Zuschauer, selbst zu urteilen, ob er das Unterfangen als naive Traumtänzerei abstempeln oder als mutiges Konzept lieben möchte. Also, ob hier am Ende das Projekt Fuck For Forest oder der Filmemacher scheitert. Vielleicht beide? Alternativ gibt es immer noch die Möglichkeit, selbst teilzunehmen. Nach Berlin ist es nicht weit. Nackt und frei den Amazonas retten, in einer hippie-esken Pornowelt. Was – the fuck – ist denn noch geiler?