Drachenmädchen (Polyband)

Drachenmädchen (Polyband)

Um die himmelweiten Unterschiede, die zwischen westlicher Pädagogik, wie wir sie kennen, und einem fernöstlichen, streng-disziplinierten Modell à la China liegen, entbrannte erst 2011 eine hitzige Debatte, als die selbsternannte „Mutter des Erfolgs“, Amy Chua, mit einem Erziehungsratgeber durchschnittliche Eltern zu Tigermamas und Tigerpapas tunen wollte, die ihren Sprösslingen durch Drill und Härte den Schliff der Perfektion verpassen. Wie die Realität des im Buch doch stark auf West gebürsteten chinesischen Erziehungsmodell tatsächlich aussieht, zeigt die Dokumentation DRACHENMÄDCHEN eindrücklich am Beispiel des Shaolin Tagou Kung Fu Institute. Mit 26.000 Schülern ist das in der zentralchinesischen Provinz Henan gelegene Institut die weltweit größte Schule für die hohe Kunst des Kung Fu. Im eisernen, von Härte und Strenge gezeichneten Alltag müssen die Kinder so einiges wegstecken können: Tränen, so heißt es, sind Zeichen des Versagens!

Das mutet uns fremd an, und wenn die versammelte Schülerschaft im Gleichtakt auf dem Trainingsplatz ihre Übungen exerziert, von der Kamera riefenstahl-monumental eingefangen, dann weicht die Bewunderung für derartige Disziplin recht schnell einem mulmigen Gefühl, das wiederum einer kollektiv deutschen Befindlichkeit entspringt: Synchron geführte Gestiken und einmütige Aufmärsche von Massen wecken bei uns noch immer die negativsten Assoziationen. Und doch müssen wir gestehen, dass diese Bilder fesseln, dass sie in ihrer Gewaltigkeit beeindrucken.

Die deutsche Dokumentation betreibt alles andere als xenophobe Kritik am autoritären Erziehungsmodell, welches China nun einmal prägt und das Land in vielen Bereichen an die Weltspitze katapultiert hat. DRACHENMÄDCHEN erzählt, inmitten des gleichmachenden, gleichgültigen Kollektivs der Schülerschaft die Geschichte dreier ausgewählter Mädchen. Trotz erschwerter Drehbedingungen durch Schulaufseher und Behörden gelingt es dem Film, die ganz individuellen und ergreifend persönlichen Wünsche und Träume der Mädchen ausfindig zu machen; Diese unterscheiden sich in keinster Weise von allen Träumen aller Kinder dieser Welt.

Spieltermine:
Do, 25.04. 20:00 | Fr, 26.04. 22:15 | So, 28.04. 20:00 | Mo, 29.04. 20:00